Das Biegeeisen

Wer in Geld schwimmt, kauft ganz einfach ein Biegeeisen, wie es für Geigen oder Gitarren angeboten wird.

 Wer nicht in Geld schwimmt, muß sich selbst eines machen.

 Als ich mit dem Oudbauen anfing, galt meine größte Sorge der Frage: Wie bitteschön biege ich das Holz? Tatsächlich ist das Biegen eines der kleinsten Probleme beim Oudbauen, spätestens nach dem 20. Span ist es reine Routine. Womit man biegt, ist egal, es kann ein mit der Gasflamme erhitztes Leitungsrohr sein, ein teueres elektrisches Biegeeisen oder offenes Feuer, Hauptsache der Span ist am Ende gebogen....

      Ich verwende für diesen Oud- ganz simpel - zum groben Vorbiegen einfach nur ein Bügeleisen und für kleine Nachkorrekturen und mehrfache Rundungen, wie z.B. dem Boden für den Wirbelkasten, ein kleines rundes Edelstahlgefäß, das ich mit Teelichtern erhitze (ist weiter unten abgebildet.)

       .Da die Korpusspäne nur in eine Richtung gebogen werden müssen, können sie gegen eine flache Hitzequelle, wie das aufgestellte Bügeleisen, gedrückt und dann langsam in Form gebogen werden.

       

       Arabische Oudmacher biegen das Holz traditionell am offenen Feuer, manche feuchten es vorher an, andere nicht. Der rohe Span wird mit beiden Händen  langsam gebogen, während die Hitze das Fasergefüge elastisch macht. Von einem türkischen Oudmacher habe ich erfahren, daß er ein erhitzes Eisen wie einen Stempel auf den Span drückt und ihn dabei biegt. Es führen also viele Wege nach Rom.

      Nachtrag 2007: Man kann wirklich auch wunderbar mit Feuer biegen, mittlerweile erledige ich die groben Biegearbeiten mit einem ganz stinknormalen Butangasbrenner und halte die Späne direkt hinter die äußere Spitze der Flamme. Feinarbeiten verrichte ich dann mit einem elektrischen Biegeeisen. Meine Sorge, ich könnte so die Werkstatt abfackeln, hat sich alhamdulillah bisher nicht bewahrheitet....

      Das Biegen an einem heißen Bügeleisen, theoretisch sogar auf der Herdplatte, folgt dem gleichen  Prinzip. Es hat gegenüber der Verwendung eines konvexen Biegeeisens den Vorteil, daß die erhitzen  Fasern gegen die Hitzequelle gepresst werden und damit nicht so leicht reißen. Die Hitze setzt direkt da  an, wo das Holz gedehnt wird, statt auf der inneren Seite, dadurch ist die Gefahr des Brechen des Spanes viel geringer.

      Also, Bügeleisen auf die Werkbank, gegen den Bauch gedrückt (mit der Griffseite.....), Span gegen das  Bügeleisen gedrückt, warten bis das Holz nachgibt, und dann biegen- ist wirklich kinderleicht.

      Das ganze wird dadurch erleichtert, daß man auf die Stelle, die man gerade biegen will, ein paar Tropfen Wasser aufreibt. Der Wasserdampf durchdringt das Holz  und macht es elastisch, verdunstet aber wieder vollständig durch die Hitze. Es entsteht ein dauerhaft gebogener Span.

          Manche Lautenbauer wässern das Holz vorher minutenlang, das ist aber nicht nötig. Das Wasser muß ja wieder vollständig verdampfen, und zuviel Feuchtigkeit quillt das Holz auf und verzögert das Abbinden des Leims.

      Das Eisen ist heiß genug, wenn Wassertropfen (Spucke tut´s auch) darauf hochspringen. Beim Biegen muß man sich Zeit lassen, das Holz darf erst gedehnt werden, wenn der Dampf und die Hitze es  elastisch gemacht haben, und dann auch nur mit sanftem Druck. Ideal sind wiegende Bewegungen um die Biegestelle herum, und zwar solange, bis das Wasser vollständig verdampft ist.

       Als weitere Hilfe verwendet ich eine eine 16 mm Kiefernholzplatte, die die Form des halbierten Korpus hat, und die ich auf der Hobelbank festklemme. An ihr kann der Span immer wieder auf die richtige Biegung hin überprüft werden.

       Ein Span ist in wenigen Minuten gebogen. Feinkorrekturen werden erst beim Anpassen vorgenommen. 

      Mein “Biegeeisen”, das ansonsten zum Einsatz kommt, besteht aus einer alten Kombizange, in die ich eine kleine Edelstahl-Gefrierdose mit der Öffnung nach unten einklemme, die Zange wiederum klemme ich in der Hobelbank fest. Unter das Gefäß kommt ein Brettchen mit 5  Teelichtern, und das war´s. Der Abstand zu den Kerzen und deren Zahl reguliert die Hitze.  Einfacher geht´s nicht, billiger auch kaum.

      Ich gebe zu, es ist primitiv und manchmal muß man nach zuviel Druck die Zange wieder fest zuklemmen, damit nichts wackelt (sie ist aber Gottseidank so rostig, daß sie normalerweise   hält wie eine Schraubzwinge.....),  es hat bisher für zwei Ouds gereicht, und es funktioniert einwandfrei. 

       

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