Deckenbalken

Jetzt folgt ein sehr wichtiger Schritt, der zu einem guten Teil über die spätere Klangqualität der Laute entscheidet:

Die Deckenbebalkung!!!

Die  Anordnung, Höhe und Dicke der Deckenbalken gilt als eines der großen Geheimnisse der Oudbaukunst.

Es gibt ein paar Eckdaten für die Anordnung. Dies sind:

    • die Brücke liegt normalerweise mit ihrer vorderen Kante in der Mitte zwischen den letzten beiden Balken
    • das große Schalloch wird am Rand durch zwei Balken gesichert.

    Ich verwende 5 Hauptbalken. die Höhe variiert je nach Balkenlänge zwischen 1 und 1,7 cm, die Dicke zwischen 0,5 und 0,8 cm. Hinzu kommen 2 kurze Balken am großen Schalloch, zusätzlich - wenn man keine Rosette macht - links und  rechts je 1 Querbalken, je ein kurzer Balken bei den kleinen Schallöffnugen und je 2 kurze Balken im Bereich der Brücke. Anstelle der kurzen Balken findet man bei viele Lauten ein bis 2 weitere Hauptbalken. Ich denke aber, je wenger, umso besser, umso weniger wird die Schallentwicklung in der Decke gedämpft.

    Für die Balken nehme ich gut trockenes feinjähriges Fichtentonholz, am besten in der Qualität der Decke. Weil´s schnell geht, verwende ich wieder meinen guten alten Bandschleifer, um die Balken in die richtige Form zu bringen, das heißt ihnen ein etwas geschwungenes V-Profil zu geben. Es geht natürlich auch mit Schnitzwerkzeugen. Die Balken werden an den beiden Enden abgeschrägt, damit möglichst wenig der Schwingungen durch die Oudwände gedämpft werden. Das tut man am besten nach dem Verleimen, da man die Balken dann besser pressen oder beschweren kann. Vorsicht, wenn man mit dem Stemmeisen abschrägt, es rutsch leicht ab und kann die Decke zerstören. Der gute alte Bandschleifer tut´s auch hier.....

      Ein Kennzeichen guter Ouds ist die saubere Verarbeitung der Deckenbalken. Bei billigen Instrumenten sind sie meistens nicht einmal geschliffen, sehr  wuchtig oder unharmonisch dünn. Jede unebene Stelle im Innern des Oud ist aber schädlich für den Klang. Also fertigen wir unsere Deckenbalken genauso liebevoll wie den Rest des Instrumentes.

    Das Bild zeigt 2 Hauptbalken vor dem Formen mit dem Bandschleifer. Die Jahre müssen wie bei der Decke stehen.

    Nach dem Schleifen haben die Balken im Querschnitt die Form eines etwas gerundeten “V”. das Bild zeigt die noch etwas zu dicken und unverleimten 5 Hauptbalken an der jeweils richtigen Positon. Es  fehlen noch sämtliche kurzen Balken und die beiden Längsbalken am Schallloch. Die Decke ist nur grob ausgesägt.

    Hier noch einmal nach dem Verleimen und dem Abschrägen, außerdem habe ich die Decke bereits bis auf 2 mm Überstand mit der Laubsäge ausgesägt:

    Es ist wichtig, die Außenkanten weich geschwungen abfallen zu lassen. Je harmonischer die Linien, umso besser für den Klang - denke ich:

    Wenn man nur 5 Hauptbalken macht, braucht man noch mehrere kurze Balken, um die Decke stabil zu halten. Im Bereich des großen Schallloches mache ich 2 kurze Querbalken und einen kurzen Längsbalken, wenn man eine Rosette einsetzt, braucht man je nach Größe der Offnung nur 1-2 kurze Querbalken:

    Die kleinen Schalllöcher stütze ich mit nur einem kurzen Querbalken, der etwas über den Schalllochring überlappt.

     Besonders wichtig ist die Bebalkung im Bereich der Brücke. Die Decke ist hier riesigen Zugkräften ausgesetzt und verbiegt sich in jedem Fall mehr oder weniger. Ich entscheide mich für mehr Klang und  etwas weniger Sicherheit, d.h, ich lasse relativ großen Abstand zwischen den beiden benachbarten Hauptbalken und verwende dafür zwei kleine Querbalken extra. Ich schleife jeden Balken individuell zurecht, runde alle Kanten gut ab und achte auf sauberes Aufliegen auf der Decke. Die großen Balken presse ich mit Gewichten, die kleinen nur kurz von Hand. Der überschüssige Leim sollte auch entfernt  werden, sobald er geliert ist, damit die Decke nicht unnötig “zugekleistert” wird.

    Und hier die komplette Bebalkung:

    ... und noch mal von vorne....

    ...und von hinten....

     Es gibt so viele verschieden Balkenmuster, wie es Ouds gibt, fürchte ich, und leider noch sehr wenig wissnschaftliche Erforschung der ganzen Materie. Also bleibt es - wie so oft - beim Gefühl fürs´s Material (sofern eines da ist...), was ja nichts anders ist als ein instinktives Abwägen der verschiedenen Faktoren wie Deckenstärke, Holzqualität, Balkendicke und -höhe, Form der Schalllöcher, etc. Und wenn man etwas falsch eingeschätzt hat, kann man ja immer noch den nächsten Oud bauen....Für diesen Oud mache ich die Balken ziemlich stabil und kräftig, nachdem ich beim letzten eher dünne Balken verwendet habe.

     Das war´s auch schon in puncto Deckenbalken.

    Nachtrag: Die Bebalkung habe ich später wesentlich zarter gestaltet. Das hier verwendete Schema schafft sehr starke Höhen, während das typische ägyptische Bebalkungsschema sehr basslastig und gedämpft klingt. Vor allem die schrägen Halbbalken im Bereich der Brücke dämpfen den Klang für westliche Ohren sehr, ich verwende diese nie. Am ausgewogensten klingen die Balken nach Usta Ali, allerdings bleiben die mein Geheimnis.....

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