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Weiter geht´s mit dem Aussägen der Deckenform. Ich lege den Korpus mit der Öffnung nach unten auf die verleimte Decke und übertrage die Umrisse. Beim Aussägen sollten aber einige mm nach jeder Seite zugegeben werden, besonders, wenn man - wie ich hier- die Decke mit einer Mulde machen will. Dadurch wird die Decke geringfügig länger, da sie etwas konkav nach innen gezogen ist.
Ich mache die Decke am dicksten am Rand, und zwar da, wo der Oud am breitesten ist (2,2mm), am dünnsten im Bereich des Halses(1,8 mm). Etwas dicker lasse ich auch den Bereich um die Brücke (2 mm). Allerdings bin ich keineswegs “Fachfrau” auf diesem Sektor, diese Entscheidungen treffe ich mehr nach Gefühl, abgesehen von den Untersuchungen gekaufter Ouds.... Der tastende Griff in das große Schallloch gekaufter Ouds täuscht allerdings sehr oft, da schlaue Oudbauer hier die Decke gerne ausdünnen. Zuverlässiger ist der Blick auf die Nahtstelle von Decke und Korpus, hier erkennt man die wirkliche Dicke. Ein gleichmäßiges Abschleifen kann man durch aufgezeichnete Achterlinien erleichtern, so sieht man genau, wo schon geschliffen wurde. Immer nur soviel wegschleifen, daß die Linie verschwindet, und das überall, dann den Vorgang wiederholen!
Leider sieht man bei der abgeschliffenen Decke eine dunkle Linie an der Nahtstelle, da hier das Holz des einen Deckenteiles etwas dunkler gefärbt war. Ich hielt das für eine lichtbedingte Holzverfärbung, die sich herausschleifen ließe, was aber ein Irrtum war. Und auf der Rückseite blüht die kleine Harzgalle....Naja...beim nächsten mal..... Die Naht selbst darf man nicht sehen, wenn sie sauber gearbeitet ist.
Die Mulde: Nach langer Abwägung der Vor-und Nachteile habe ich mich bei diesem Oud entschieden, die Decke mit einer Mulde in Längsrichtung zu machen. Diese ist nun an der Reihe, da für alle weiteren Deckenarbeiten die endgültige Auflagefläche auf dem Korpus vorhanden sein muß. Mulde heißt, daß der Korpus an den Seitenwänden etwas vertieft abgehobelt wird. Die Decke liegt somit in Längsrichtung konkav nach innen gedrückt, in Querrichtung bleibt sie gerade. Es gibt auch Oudbauer, die über die Deckenbalken sogar in Querrichtung von der geraden Linie abweichen, das erscheint mir aber zu riskant für mich als Laien-Oudbauerin.Viele arabische Ouds haben eine solche Längs-Vertiefung in der Decke, die meisten türkischen dagegen nicht. Die Mulde hat zweierlei Funktionen: Also, yalla, machen wir eine Mulde: Sie soll 5 mm an der tiefsten Stelle betragen, wobei ich diese etwa 2 cm hiner dem großen Schallloch in Richtung Brücke ansetze. Bei Lauten wird eher das Schallloch als tiefste Stelle genommen, ich möchte aber in erster Linie die Spielplatte absenken. Damit die Vertiefung auf beiden Seiten gleich verläuft, fertige ich aus dünnem Karton eine Deckenschablone mit je 5 mm Überstand, auf die ich - ausgehend von der tiefsten Stelle - ein gleichmäßiges Raster an Querlinien aufzeichne:
Diese Schablone klebe ich mit doppelseitigem Klebeband aud den beiden Blöcken fest.
Dann klebe ich mit schmalem Malerkrepp von der tiefsten Stelle ausgehend eine Seite ab, so daß die Vertiefung in einer harmonischen Linie zu den beiden Blöcken hin ausläuft. Die Blöcke lasse ich vorerst gerade - warum, werde ich später zeigen. Damit auf der anderen Seite genau der gleiche Kurvenverlauf entsteht, übertrage ich die Tiefe der Mulde an den jeweiligen Querlinien auf die Deckenschablone.
Diese Werte trage ich auch auf den anderen Schablonenseite ein und markiere sie anschließend auf der anderen Korpusseite. Entlang der Markierungen klebe ich wieder ein Klebeband auf. Jetzt muß ich nur noch die obere Kante des Klebebandes auf beiden Seiten des Korpus mit einem Stift nachzeichnen, und fertig ist die Linie für die Mulde. Natürlich ginge es auch “pi mal Daumen”, aber eine asymmetrische Mulde ist nicht sehr ansprechend, denke ich, und auf 20 Minuten mehr Arbeit kommt es wirklich nicht mehr an..... Die Vertiefung trage ich nun mit dem Hobel Span für Span bis auf einen geringen Überstand in Faserrichtung ab. Den Rest entferne ich mit einem langen Schleifblock, der auch schräg über beide Oudkanten reichen muß. Er wird wie ein Scheibenwischer über die Kanten geführt und sorgt so für eine gerade Auflagefläche für die Decke:
Hier die probeweise aufgelegte Decke:
Und das ist das Ergebnis unseres bisherigen Oudbaus (Rechts im Bild die Schnecke einer alten Geige, die auch schon lange auf Restaurierung wartet...):
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