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Als nächstes werde ich die Schalllöcher aussägen. Zuvor markiere ich allerdings auf beiden Seien die Mittellinie. Dann zeichne ich den genauen Deckenumriß auf beiden Seiten auf, dazu lege ich die Decke über ein Kissen und stülpe den Korpus darüber, damit sich die Decke der Mulde genau anpassen kann. Ebenso zeichne ich jetzt schon die Lienien für die 5 Hauptdeckenbalken auf (Dazu unten mehr). Ich positioniere die Schalllöcher folgendermaßen: Das große liegt mit seinem Zentrum in der Mitte zwischen Halsansatz und Brücke, also bei 20 cm gemessen ab dem Halsansatz. Für die beiden kleinen Schalllöcher gehe ich zunächst von der Mitte zwischen großem Schallloch (Zentrum) und Brücke und zwischen Mittellinie und Deckenkante aus und suche von hier aus die ideale Position. Ich werde die kleinen Schalllocher oval machen, das große rund. (Variatio delectat, wie man auf Lateinisch sagen würde, Abwechslung erfreut....) Zur genauen Ausrichtung der kleinen Schalllöcher ziehe ich jeweil eine Linie von der angenommenen Mitte dieser Öffnungen zur breitesten Stelle der großen Öffnung, bzw. eine Linie, die sich an die Kante der großen Öffnung anlegt, siehe Bild unten. Auf diese Mittel lege ich die Längsachse der Öffnungen und schiebe sie außerdem noch 1 cm nach außen. Beim “wajh” (sprich wäschh), dem Gesicht des Oud muß unbedingt die Ästhetik stimmen, finde ich, deshalb ist es wichtig, Schalllöcher, Spielplatte und Form der Brücke aufeinander abzustimmen.
Für die ovalen Schalllöcher mache ich einfache Papierschablonen, die ich längs und quer falte, damit sie symmetrisch werden. Das runde Schallloch ziehe ich einfach mit dem Zirkel, Durchmesser etwas unter 12 cm. Die Löcher säge ich über dem Spalt des Spanntisches mit der Laubsäge aus (Die obere Deckenseite nach oben legen!) Die Kanten versäubere ich mit Schleifpapier, das um einen Holzstab gewickelt ist:
Und so sieht das ganze dann aus:
Als nächsten muß ich mich entscheiden, ob ich Rosetten schneiden oder Schalllochringe machen will. Das typisch arabische Aussehen der Decke verlangt nach Rosetten, meine eher deutsche Vorliebe für schlichtes Design nach einfachen klaren Schalllochringen (die übrigens auch nicht weniger Arbeit machen!) Da ich den Gedanken nicht mag, meinen Oud nicht jederzeit gynökologisch von innen untersuchen zu können, bleibt es bei der zweiten Lösung. Für die Schalllochverstärkung ist mehrfach verleimtes Holz ideal, weil es sich weniger verzieht. Die Ringe werden an sich nur an den Kanten veleimt, man muß also sehr präzise arbeiten, damit sich die Ringe nicht mit der Zeit lösen. Ich verwende eine Grundplatte aus Ahorn, auf die ich oben ein Mußbaummaserfurnier aufziehe. Hier die Platte mit dem Nußmaserfurnier:
Man sollte auch ein Gegenfurnier verwenden, sonst verzieht sich die Platte leicht. Ich veschiebe das untere Furnier alledings auf später, weil ich es zugleich als Sicherung für die Verleimung verwende, d.h. ich mache es etwas breiter als den eigentlichen Ring, so daß es ein paar mm weit über der Decke liegt. Außerdem kann so die Dicke des Ringes noch genau an die Deckenstärke angepaßt werde, ohne daß man eines der dünnen Furniere abschleift. Viel Arbeit, man könnte eine hübsche Rosette in dieser Zeit machen. Für eine Rosette braucht man allerdings auch schichtverleimtes Holz oder sehr gutes sehr trockenes Obstbaumholz. Sperrholz würe ich nicht nehmen, es schaut immer billig aus. Der Klang der Decke wird außerdem durch sehr hartes Holz lauter, es wirkt wie ein Resonanzverstärker. Das Aufziehen der dünnen Furniere mit Hautleim ist etwas heikel: Ich nehme relativ viel ziemlich dünnen Leim und schiebe das Furnier zuerst mit der Hand in den Leim, walze mit einem runden Gegenstand alle Luftblasen heraus und presse dann zwischen Frankfurter Pappe und Holzplatten mit Hilfe von sehr starken Leimzwingen für mehrere Stunden. Die Pappe muß man mindestens einmal austauschen, sie hat die Funktion, die Feuchtigkeit aufzunehmen. Schaut ganz nett aus, die kleine Furnierpresse:
Auch nach dem Trocknen lasse ich die Platte möglich immer in der Presse, sofern ich nicht gerade daran arbeite. Ohne das Gegenfurnier wird sie sich immer nach einiger Zeit verziehen, da das dünne Furnier sich durch den Leim stärker als die Trägerplatte ausgedehnt hat und wieder in seine alte Form zurückschrumpfen will-. Aus der furnierten Scheibe schneide ich nun alle drei Schalllochringe aus. Vorsicht: Beim Sägen mit der Laubsäge muß man die furnierte Seite nach oben legen, sonst reißt das empfindliche Maserfurnier schnell aus! Da ich die Schalllöcher relativ klein bemessen haben, mache ich die Ringe entsprechend schmal. Hier die noch nicht exact angepaßten Ringe auf der Decke:
Und dasselbe von der Innenseite:
Ich habe in der Zwischenzeit 3 der 5 Hauptbalken für die Verstärkung der Decke gefertigt, ich erkläre die Bebalkung allerdings zusammenhängend auf der nächsten Seite. Man kann die Schallöcher mit Ringen oder Rosetten auch vor der Bebalkung machen, allerdings ist die Decke dann immer bruchgefährdet..... Das Anpassen der Ringe an die Schalllöcher ist eine zeitraubende Tätigkeit, wenn man wie hier alles von Hand sägt und noch dazu ovale Öffnungen schneidet. Je genauer, umso besser, denn die Ringe ziehen sich beim weiteren Trocknen noch zusammen, und der Trocknungsprozeß dauert über Jahre an. Ich schleife und feile also geduldig vor mich hin, bis die Ringe mit leichtem Druck genau in die Öffnungen passen, ohne von selbst wieder herauszufallen. Dann verleime ich sehr schnell und halte die Ringe beim Trocknen mit Gewichten unten. Das Nußfurnier sollte ganz minimal unterhalb der Decke liegen, damit es später beim Feinschleifen der Decke nicht abgetragen wird. Den Überstand auf der Innenseite der Decke schleife ich samt den Leimresten bündig ab.
Bei allen Arbeitspausen beschwere ich die Öffnungen wieder, damit sich nichts aufbiegt. So sieht das ganze nun von oben aus:
Als nächstes leime ich ein Nußmaserfurnier auf die Unterseite der Ringe. Beim großen Schalloch spare ich die Flächen aus, an denen der Ring von den umgebenden Deckenbalken bedeckt wird. De facto arbeite ich also parallel an Bebalkung und Schalllöchern, der Übersichtlichkeit halber trenne ich es aber hier. Ich verleime abschnittsweise mit sehr dickem und relativ heißem Hautleim, damit das Furnier nicht zu stark durchweicht und sich nicht so stark ausdehnt. Man sollte die Kräfte, die beim Trocknen eines Furniers entstehen, nie unterschätzen, sogar dickere Trägerplatten verziehen sich dabei. Das Furnier schneide ich so, daß es ca. 2 mm über den Rand des Schallloches hinausragt, so ist der Ring gut gesichert und es gibt später keine größeren Spalten und Brüche. Ich presse erst von Hand und beschwere die Furniere später mit Gewichten (den guten alten Ziegelsteinen....) Nach innen habe ich den Furniering großzügig bemessen, nach den Trocknen des Leims schneide ich ihn grob mit dem Skalpell zurecht, später wird er mit dem Ring zu einer schrägen Kante verschliffen.
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