Decke

Wir kommen nun zu dem für den Klang wichtigsten Bestandteil des Oud, nämlich der Decke.

Das Holz für die Decke sollte so hochwertig wie möglich sein. Normalerweise wird Fichte verwendet, wobei die europäische Fichte, und in hohem Maße die deutsche Hochgebirgsfichte, die erste Wahl ist.

    Die Fa. Gleissner in Bubenreuth führt sehr gute Fichtendecken, ich kaufe mein Deckenholz auch dort. Wer nicht nur ein Instrument bauen will, sollte  sich selbst ein kleines Holzlager zulegen, besonders das Deckenholz gewinnt von Jahr zu Jahr an Qualität. Ich verwende Deckenhölzer nicht unter einem Alter von 10 Jahren, älter wäre noch besser, es ist allerdings nicht ganz  leicht, alte Tonhölzer zu erschwinglichen Preisen zu finden. Und wer welche findet, hält es wie ein Pilzesammler: Er (oder sie) schweigt sich aus über die Fundstelle...

    Man kann die Decke aus 2 oder aus 3 - 5 Teilen machen, die Anzahl der einzelnen Brettchen ist weniger wichtig als die Qualität der verwendeten Stücke. Viele arabische Ouds sind mit 4 - 5 Deckenteilen zusammengesetzt, dies hängt aber damit zusammen, daß in südlichen Ländern kaum langsam gewachsene Fichtenhölzer zu kriegen sind. Als Tonholz ist aber nur das feinjährige Holz verwendbar. Zur Lösung dieses Problems werden deshalb nur die schmalen Teilstücke mit der feinen Maserung verwendet. Hier in kalten Deutschland mit seinen Gebirgsfichten ist aber das Paradies der Instrumentenbauer, und in Bubenreuth bei Erlangen ist alles zu kaufen, was das Oudbauerherz nur wünschen kann.

    Hier mein kleines Deckenholzlager:

Wie soll also eine gute Ouddecke aussehen? Sie soll möglichst schmale und unbedingt stehende Jahre haben, die Jahreslinien sollen nicht zu starke dunkle Anteile haben, da diese härter sind und den Klang negativ beeinflussen. Die Maserung soll möglichst  parallel verlaufen, es sollen keine Astknoten oder Harzgallen vorhanden sein, und der sog. “runout”, also die Wuchsrichtung der Holzfasern, sollte möglichst parallel zur  Oberfläche verlaufen. Allerdings hat fast jedes Fichtenholz einen leicht welligen Faserverlauf, was das Hobeln etwas erschwert. Es gibt auch spezielles sehr schönes  Fichtenholz mit seidenartigem Glanz und leichtem Drehwuchs in den Jahreslinien, das angeblich besonders begehrt bei Lautenbauern und auch etwas teurer ist. Ich nehme  an, es läßt den Klang etwas härter werden, für Lauten sicher nicht schlecht, für Ouds eventuell nicht so ideal. Jahresabstände von 1 mm oder darunter sind sehr gut, nach außen hin dürfen sie auch bis zu 2 mm breit werden.

Ob man die feinen Jahre nach innen oder außen positioniert, ist letzlich Ansichtssache. Die feinen Jahre sind härter als die breiteren, stabiler, eignen sich also gut dafür, die Decke im Bereich der Brücke etwas robuster zu machen. Die Schallwellen werden aber durch weiches Holz besser geleitet. Ich habe bei meinen beiden bisherigen Ouds die breite Maserung nach innen gelegt, werde jetzt aber das Gegenteil ausprobieren.

Für die konkrete Auswahl des Deckenholzes ist vor allem die Klangprobe entscheidend: Man hält das Brettchen zwischen Daumen und Mittelfinger links oben freischwingend und klopft im rechten unteren Drittel mit dem Knöchel an das Holz. Jedes Holz klingt anders, auch je nach Dicke und Trocknungsgrad. Gutes Holz klingt aber eindeutig “musikalisch”, langschwingend und voll im Ton, wie  ein Gong. Ich bin kein Tonholzprofi, und dies sind nur meine bisherigen Erkenntnisse, aber wenn man das Holz klingen hört, weiß man, ob es gut ist oder nicht.

 Ich wähle diese beiden Brettchen, obwohl sie nicht die schönsten sind und das rechte sogar eine kleine Harzgalle an der Unterseite und am Rand eine kleine Verwachsung hat. Es klingt aber von allen am besten.

Traditionell werden die Deckenteile aus einem Holzbrett geschnitten, das dann sozusagen wie ein Buch spiegelbildlich aufgeklappt wird, fertig gekaufte Deckenhölzer sind immer so gesägt und haben dieselbe Nummer. Es geht aber auch aus verschiedenen Hölzern, wenn sie ähnliche Eigenschaften haben. Ich verwende hier verschiedene Teile, da ich dem Alter des Holzes den Vorzug gebe, ich aber nur alte Einzelstücke habe.

 Die beiden Bretter werden nun mit einem guten Hobel (hier ein Stanley Flachwinkelhobel) bis auf ca.2,5-2,8 mm gehobelt. Man muß hier sehr aufpassen, da der leicht wellige Faserverlauf der Fichte das Eisen schnell zu tief in das Holz hineingleiten läßt. Im Zweifelsfall hoble ich diagonal zur Faser oder arbeite ein bißchen mit dem guten alten Bandschleifer. Man könnte wohl auch ein gezahntes Eisen verwenden.

 Es gibt wenige Arbeiten, die so lustvoll sein können, wie das Abhobeln einer Decke....Der Boden verwandelt sich sehr schnell in eine flauschige Decke aus breiten Hobelspänen und man muß sich  geradezu zwingen, nicht alles wegzuhobeln.....die feinen Späne sind fast zu schade zum Wegwerfen. Angeblich kann man tolles Papier daraus machen....

 Dann werden die Bretter gefugt. Man kann auch vorher verleimen und später hobeln. Allerdings kann  das etwas schwieriger beim Hobeln werden, da die Faserrichtung so noch schwerer einzuschätzen ist. 

Das Fugen der dünnen Brettchen ist nicht ganz einfach. Wer eine Rauhbank hat, ist fein dran, wer nicht,  muß eben improvisieren. Und das schaut z.B. so aus:

Ich verwende die absolut gerade Kante eines alten Resopal-Tisches als Führungsschiene für meinen Flachwinkelhobel und hoble so bei jedem Deckenteil an der Tischseite entlang eine gerade Kante. Die  Decke befestige ich mit kleinen Streifen doppelseitigen Klebebandes auf dem Tisch. Anschließend schleife ich mit einer selbstgebauten 90-Grad-Schleiflehre (das Schleifpapier ist wieder mit  Doppelklebeband befestigt) nochmals nach, bzw. schleife einzelne Stellen nach. Ich kontrolliere die Fuge immer wieder durch Aneinanderlegen der beiden Teile.

Die Fuge muß an den Rändern absolut dicht sein, im mittleren Bereich natürlich auch, aber an den Rändern ist es noch wichtiger, das hier am ehesten später Risse auftreten. Von beiden Seiten kontrollieren! Das Bild zeigt einen Ausschnitt der unverleimten Deckenfuge. Man sieht, daß ich hier zwei unterschiedliche Deckenteile verwende, sie sind nicht spiegelbildlich.

Ich schleife die Teile dann mit einem Schleifblock auf ca. 2,2 mm im Bereich der Fuge und etwas mehr im hinteren äußeren Bereich herunter.

Dann wird die Decke verleimt . Hierzu braucht man irgendeine Form von Hilfkonstruktion, mit der man die Deckenteile sowohl sauber positionieren als auch pressen kann, ohne daß sie sich unter dem Druck verschieben oder aufbiegen.

 Ich verwende hierfür zwei gleichhohe Kiefernholzbretter und 4 Leisten, mit denen ich die Deckenteile auf den Brettern befestige, und zwar so, daß sie an der Fuge jeweil 2-3 mm überstehen. Die beiden  Bretter werden beim Verleimen aneinandergeschoben und in der Hobelbank mit Druck fixiert. Damit sich die dünnen Brettchen dabei nicht aufbiegen, muß die vordere der beiden Leisten durch das  Deckenholz geschraubt werden, natürlich außerhalb der Deckenbegrenzung! Daher immer mit genug Zugabe arbeiten!

Das ganze ist etwas kompliziert, ich lasse die Bilder für sich sprechen. Hier zunächst die Fixierung der beiden Deckenteile auf den Brettern mit der ofenen fuge. Ich schiebe die beiden Teile zum Verleimen nur ca. 2 mm auseinander, lasse dann sehr zügig dünnflüssigen sehr heißen Hautleim in die Fuge laufen und presse die Bretter dann sehr flott in der Hobelbank zusammen. Die Deckenteile müssen unbedingt  ganz nach unten gedrückt sein und auf gleicher Höhe aneinanderstoßen, wo die Leisten nicht gut aufliegen, lege ich Kork unter. Das Verleimen muß wirklich schnell vor sich gehen, damit gepresst  werden kann, bevor der Leim geliert.

Und hier die ganze Konstruktion vor dem Verleimen. Das lange weiße Brett ist lediglich eine Zulage für  die Spannbacken:

Die mittleren Halteleisten beschwere ich ganz einfach mit ein paar Ziegelsteinen, sonst biegt sich die Fuge unter dem Druck nach oben:

Und so sieht die fertige Fuge von vorne aus. Der winzige helle Fleck unter der Naht ist der heruntergetropfte Hautleim:

Es gibt natürlich noch jede Menge anderer Konstruktionsmöglichkeiten, aber diese hat sich bei mir bisher gut bewährt. Man kann auch einen kleinen Spanntisch als Hilfmittel verwenden und die beiden  Teile dann zusammenkurbeln, allerdings ist eine Hobelbank wesentlich stabiler. Es braucht auch nicht so wahnsinnig viel Pressdruck zum Fugen einer Decke, vorausgesetzt, die Fuge ist absolut sauber gearbeitet......

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