Form

Vorüberlegungen:

Man kann, wie Richard Hankey und Jameel Abhraham gezeigt haben, einen Oud auch mit einer offenen Form bauen. Ich bevorzuge trotzdem  eine Form als Korpusgerüst, es ist nicht so extrem viel Aufwand, eine zu bauen, im Vergleich zum Gesamtarbeitsaufwand. Die Form muß nicht sehr kompliziert gefertigt werden, sie ist in 1-2 Tagen gebaut und kann für viele Instrumente  verwendet werden. Der Vorteil dieser traditionellen Methode (jeder moderne Lautenbauer greift bedenkenlos darauf zurück) liegt in der einfacheren Verleimung der Späne, die Form gibt die Auflagefläche, in sie werden die Nägel  hineingedrückt, die die Späne beim Verleimen aneinanderpressen und sie schafft eine Kontrolle vor Formabweichungen. Der Korpus kann auch bequemer auf der Form versäubert werden. Ich denke also, daß die Zeitersparnis bei Verwendung einer sog. offenen Form (siehe Jameel Abrahams Oud Making Journal) durch einen viel höheren Aufwand beim Bau wieder zunichte gemacht wird.

Als Material empfehle ich normale 16 mm Spanplatten. Die grobfaserige Struktur macht es leicht, Nägel hineinzudrücken. Die Form leidet natürlich bei jedem Oud ein wenig, aber mit Ponal und ev. etwas feinem Sägemehl läßt sie sich schnell wieder in Topform bringen, die Platte besteht schließlich auch aus nichts anderem. Eine MDF-Platte ist sicher hochwertiger, aber auch härter,  Reißnägel lassen sich nicht so leicht eindrücken.

Ich würde nicht empfehlen, eine geschlossene massive Form (in der Form eines halben Eies)  zu bauen, wie sie viele eurpäischen Lautenmacher verwenden.  Der Vorteil der “Schiffsrumpfform” ist, daß man die Leimnähte von innen kontrollieren und eventuell nachbessern kann. Sie ist auch viel leicher zu bauen. Hier ein Bild meiner ersten Form:

Der Bau der Form:

Die Form entscheidet darüber, wie der fertige Oud später aussehen wird. Ich verwende eine im Querschnitt vollständig halbrunde Form. Richard Hankey empfiehlt, für eine bessere Auflage der Oud beim Spielen und für mehr Tonvolumen extra noch etwas Tiefe für den Korpus zuzugebe, so daß der Korpus im Querschnitt geringfügig in Richtung eines “U” geht. Mehr Tiefe gibt vor allem wärmere Bässe.

Wer viel Freude an Tischlerarbeiten hat, kann natürlich auch bei der Form mit sauberen Dübel- oder Zapfenverbindungen arbeiten, allerdings ist das bei Spanplatten schwierig. Ich muß gestehen, mir geht es nur darum, daß das Ding stabil ist und die äußere Form stimmt. Mein handwerklicher Ehrgeiz läßt  mich hier schwer im Stich.

Voraussetzungen ist zunächst eine Schablone mit dem Umriß der Korpusaufsicht. Sie ist identisch mit den Deckenmaßen.

Ich lege ganz einfach die Schablonen (Transparentpapier) beider Instrumente übereinander und ziehe eine harmonische Linie, die mir gefällt, die aber an den  Korpusmaßen nicht allzuviel ändert. Bitte auch an die eigenen Körpermaße denken, je breiter der Oud, umso bauchiger wird er auch!

Die genaue Form ist reine Geschmackssache. Es gibt allerdings ein paar Maße, die eingehalten werden müssen. Das ist zum einen die Mensur, das heißt die freischwingende Saitenlänge. Die Standardmensur eines arabischen Oud sind 60 cm. Davon entfallen 20 cm (1/3) auf das Griffbrett und 40 cm auf den  Korpus bis zur vorderen Kante der Brücke. Zu diesen 40 cm kommt noch ein passender Abstand bis zum Korpusende. Er kann variieren, je nach Rundung des Oud. Die Decke und damit der Korpus für diesen Oud hat die Maße:  50.5 cm Länge und 35 cm Breite an der breitesten Stelle. 

Ein anderer Fixpunkt ist der Halsansatz. Ich verwende eine Halsbreite von 5,6-5,8 mm. Da die Dicke der Späne beim fertigen Instrument noch  hinzukommt, reichen 5,4 m bis 5,6 mm für die Form aus. Dieses Maß ist relevant für das Einzeichnen des vorderen Blockes.

Um eine wirklich symmetrische Form zu erhalten, knicke ich das Transparentpapier in der Mitte, trage gleich  eine Mittellinie ein, und schneide dann beide Außenteile zusammen mit der Schere in einer sauberen Linie aus. Symmetrischer geht´s nicht. Ich habe bei einigen Ouds beobachtet, daß die Korpusse alles andere als symmetrisch sind. Die  Funktionalität mag´s nichs stören, die Optik schon..

Die Schablone wird auf eine 16 mm Spanplatte gelegt.

Ich ziehe die Kante mit einem dicken Permanentmarker auf Schablone und Platte gemeinsam nach. Die Innenkante des dicken Striches ist exakt die zu sägende Linie. Ich trage sofort die Mittellinie auf der  Platte ein.

Nun wird die Markierungslinie für die beiden Blöcke eingezeichnet. Hier muß man ganz exakt messen und auf Rechtwinkeligkeit achten. Ich verwende für die Blöcke folgende Maße:

  - vorderer Block: 3,3 mm dick, vordere Breite ca. 5,5 mm, hintere Breite 11,6-11,7 mm. Die Höhe ergibt sich aus dem halbkreisförmigen Zuschnitt mit jeweils der halben Breite.

  - hintere Block: 1,5 cm dick, längere Breite ca. 22 cm. die Breite richtet sich natürlich nach der Korpusform.

Die beiden Blockteile werden mit einem feinen Sägeblatt exakt ausgeschnitten, sie dienen später als Modell für die Fichtenblöcke, die im Oud verbleiben.

 Dann kann die Grundplatte mit der Stichsäge ausgeschnitten werden. Sie schaut dann einem Klodeckel verblüffend ähnlich.... Bitte sehr genau auf der Linie sägen, das Negativteil wird nämlich später als eine Art Schablone verwendet. Da die Form nicht massiv werden soll, sondern einem Schiffsgerippe gleicht,   muß ein Innenumriß eingezeichnet werden. Wir verwandeln unsere Grundplatte in eine Klobrille....

Dieser Teil wird ebenfalls ausgeschnitten.

Im nächsten Schritt zeichne ich in die Schablone die Position und Plattendicke der Querbögen ein.  Ihre Anzahl ist variabel, ich verwende für diese Form 4 Bögen und die beiden Endstücke in Form von  je 2 Viertelkreisen, die erster Linie zum Anschrauben der beiden Korpusblöcke dienen. Ich positioniere  den größten Bogen an der Stelle, an der der Korpus am breitesten ist, die anderen Bögen gleichmäßig verteilt. Es ist auch sinnvoll, stärkere Biegungen mit einem Bogen zu unterstützen, das Verleimen der  Späne ist so leichter. Je mehr Bögen, umso mehr Arbeit, aber umso sauberer und leichter später der Bau des Korpus.

 Als erstes fertige ich den Längsbogen an. Er entspricht in seinem Umriß dem längs halbierten Korpus, abzüglich der Dicke der Spanplatte (er wird ja auf die Bodenplatte aufgesetzt). Auch hier wird wieder ein Innenumriß eingezeichnet und ausgeschnitten. Der Bogen wird dann entweder mit langen Schrauben durch die Bodenplatte oder mit Winkeln befestigt.

Dann sind die beiden Endstücke an der Reihe, an die später die Blöcke angeschraubt werden. Ich nehme dazu mit dem Zirkel an der Schablone Maß. Achtung: Die längere Linie ist entscheidend, die Kanten werden erst später an das Oval der Form angepaßt!!!!!

Ich beginne mit dem oberen Ende, an das der Hals anschließt.

 Dazu zeichne ich direkt auf die Spanplatte einen Halbkreis mit der längeren Linie als Radius und trage die Mittellinie ein, es entstehen so zwei symmetrische Teile. Jetzt müssen aber bei beiden Teilen sowohl die Dicke der Grundplatte (16 mm) als auch die halbe Dicke des stehenden Bogens (je Seite 8 mm) abgezogen werden. Beide Teile des Bogens werden sauber ausgeschnitten, bei einem Überstand mit dem Bandschleifer genau auf die Linie abgeschliffen. Man kann auch jetzt schon mit dem Bandschleifer (oder der Raspel) grob die kürzere Außenkante formen, der Schnitt ist ja im 90 Grad Winkel, (es sei denn, man mißt den genauen Winkel und sägt auch im Winkel). Wer es ganz exakt machen will, zeichnet schon am Anfang auf der Rückseite der Halbkreise einen Radius mit der Länge der kürzeren Kante. Sie dient dann als Markierung, wieweit abgeschrägt werden muß.

Ich leime die beiden Halbkreise mit Ponal Express an Bodenplatte und Längsbogen. Nach dem  Abbinden befestige ich sie mit Winkeln und einer langen Schraube durch die Bodenplatte.

Die Form muß sehr stabil sein, da auf ihr der fertige Korpus mit der Raspel, Ziehklinge und Schleifpapier bearbeitet wird, dabei treten ziemliche Kräfte auf.

 

 Das hintere zweiteilige Endstück wird genauso angefertigt.

Die mittleren 3-4 Bögen entstehen ebenfalls aus Halbkreisen, von denen jeweils die Bodendicke und die halbe Dicke des Längsbogens abgezogen wird. Sie werden aber als Bögen ausgesägt. Sie werden  wieder mit Winkeln oder mit Dübeln oder Schrauben befestigt. Hier kömmt es für mich nicht auf Schönheit, sondern nur auf Stabilität an.

Wenn alle Bögen fertig sind, kann die äußere Form bearbeitet werden. Wenn die Kanten der Querbögen nicht schon vor dem Anschrauben dem ovalen Korpusverlauf angeglichen wurden, steht jetzt eine schweißtreibende Arbeit mit der Raspel und dem Schleifblock bevor. Man kann natürlich auch die ganze Form über den Bandschleifer halten und vorsichtig die Ecken herausschleifen. Vorher aber unbedingt die Begrenzungslinien an den Querbögen anzeichen, damit man nicht zuviel Material entfernt. Die Späne sollten auf der ganzen Bogenkannte aufliegen können. Es geht aber auch relativ leicht mit einer speziellen Hobel-Raspel . Bei Spanplatten ist es besonders wichtig, nicht gegen die Faser zu arbeiten, da sonst Splitter ausbrechen.

 Zur Kontrolle des Linienverlaufs kommt jetzt das Negativteil des Boden zum Einsatz. Mit diesem Teil  fahre ich Stück für Stück an der Form entlang und schaue, wo sie noch von der richtigen Linie abweicht. Besonders bei den hinteren Endstücken muß ziemlich viel Material entfernt werden. Ich  zeichne hier nochmals mit dem Zirkel einen Halbkreis mit der kürzeren Kantenlänge aus der Schablone auf das Holz, bis zu dieser Linie wird die Kante nun schräg abgeraspelt.

Als letztes wird als Halterung noch ein stabiles ca. 8 cm breites Kantholz aus Kiefer oder einem Hartholz am Längsbogen  in der Schwerpunktmitte der Form (Test: Form auf dem Kantholz  ausbalancieren) befestigt. An ihm wird die Form später in den Schraubstock gespannt. Die Halterung muß sehr stabil sein, ich sichere sie mit mehreren zusätzlichen verleimten und verschraubten Hölzern. Es ist eine etwas improvisierte Lösung, aber zeitsparend und zweckmäßig. Man kann hier auch eine Halterung mit einem Gelenk bauen, das ein Schrägstellen ermöglicht. Dazu bin ich allerdings zu faul... es geht nämlich auch ganz gut ohne. Wichtig ist nur, daß die Halterung fest ist und sich die Form nicht unter Druck biegt, wenn sie eingespannt ist.

Zuletzt nehme ich noch eine kleine Schönheitsoperation vor: Da Spanplatten beim Sägen und Raspeln immer ein wenig aufsplittern, streiche ich alle Kanten mit Ponal Express ein und streue etwas von den  Raspel- und Sägespänen darauf. Den so entstandenen Holzspachtel rebe ich fest und wische die Kanten dann mit einem feuchten Schwamm ab. Nach dem Trocknen noch etwas nachschleifen, und schon sind  die Kanten genauso schön wie die Oberfläche der Bögen.

 Zuletzt muß noch die Anzahl der Späne festgelegt und Markierungslinien auf den Querbögen aufgezeichnet werden.

 Ich messe dazu die längeren Außenkanten der Querbögen mit einem flexiblen Bandmaß und teile die jeweiligen Maße durch die gewünschte Anzahl an Spänen. Es muß immer eine ungerade Zahl sein.  Wieviele Späne man verwendet, hängt von der gewünschten Dicke der Korpuswand ab, aber auch davon, ob man den Korpus vollkommen rund ausarbeiten will, oder ob man Facetten akzeptiert. Nach  meinem Geschmack muß ein Oud glatt gerundet sein. Die Wandstärke sollte nicht wesentlich über 2,5 mm sein, damit das Instrument möglichst leicht ist. Daraus ergibt sich für diesen Oud eine Zahl von  mindestens 19 Spänen. Je mehr Späne, umso qualitativ besser. Leichte türkische Lauten haben oft 25 Späne, schwerere arabische manchmal nur 13 oder 15. 19 ist ein gutes Mittelmaß.

    Die genaue Anzahl kann man berechnen, indem man einen Probespan (3 mm dick) in der errechneten Breite über die Form legt und mißt, wie groß auf beiden Seiten die Abweichung des (im Querschnitt geraden) Spanes von der halbrunden Form der Querbögen ist. Um soviel muß der Span dann später auf jeder Seite abgeschabt werden,  damit der Korpus rund wird. Die Nähte sollten danach aber noch ca. 1 mm Dicke haben, sonst bricht der Korpus zu leicht.

    Auf dem Längsbogen muß zunächst die Mittellinie eingezeichnet werder (falls der Bogen nicht genau in der Mitte sitzt: Mitte ausmessen!) Links und rechts von der Mittellinie jeweils die halbe Spanbreite abmessen und anzeichnen. (Hier sitzt der Mittelspan). Dann nach beiden Seiten die übrigen Markierungen anbringen. Die beiden Randspäne sollten etwas breiter geraten. Dies kann beim  Ausmessen schon berücksichtigt werden, indem man  ein paar Millimeter abzieht, bevor man durch 19 teilt. Die Dicke der Zierspäne, die als optische Abtrennung zwischen den Spänen verleimt werden, ziehe  ich nicht ab, das ist die Reserve für das Anpassen der Späne.

    Die Markierungen sind später der Anhaltspunkt beim Anpassen der Späne, sie sollten in etwa stimmen.

     Ein Facettieren der Bögen ist nicht nötig, manche machen es, aber es geht auch ohne, vor allem wenn man bzgl. der Spananzahl flexibel bleiben will.

    Und das war´s auch schon. (Gut, ich gebe zu, es ist eine Menge Arbeit, und noch ist kein einziger Span für den Oud gemacht... aber nur GEDULD !!!!!)

     

[Start] [Werkzeug und Material] [Die Bauabschnitte] [Form] [Korpus] [Versäubern] [Hals und Wirbelkasten] [Hals und Wirbelkasten 2] [Wirbellöcher] [Decke] [Mulde] [Schalllöcher] [Deckenbalken] [Herz und Spielplatte] [Zusammenbau 1] [Zusammenbau 2] [Zusammenbau 3] [Politur] [Klang]