Hals und Wirbelkasten 2

Ich werde bei diesem Oud nicht sehr viele Einlegearbeiten vornehmen, sondern sozusagen ein Grundmodell vorstellen, allerdings schaut ein Wirbelkasten ganz ohne Schmuck unerträglich nackt aus, so daß ich zumindest zwei nette kleine Fiberspäne einlege, und zwar in den Boden an der Verbindung zu den Seitenteilen. Hierfür schneide ich mit einem nützlichen kleinen Schneidegerät, wie es für das Einlegen von Geigenspänen verwendet wird, eine parallele Linie in beide Bodenkanten und arbeite dann eine für den Fiberspan passende Nut aus.

In diese leime ich die kalt gebogenen Fiberspäne und fixiere mit Hilfe von Gummischnüren. Schaut dann etwa wie eine ägyptische Mumie aus....mein bayrisch-arabischer Wirbelkasten.....

Und hier das ganze nochmal von vorne. Ich lasse den Einlegespan weit überstehen, damit ich ihn fest an die Rundung heranziehen kann..

Als nächstes wird der Wirbelksten wieder verschliffen. Schließlich setze ich auf den “Schnabel” noch ein schwarzes Ahornfunierstückchen auf. Auch dieses muß ich biegen, da der Wirbelkasten hier eine  Einbuchtung haben soll. Ich verwende als Biegeeisen einen eingespannten Lötkolben, das Furnier tauche ich vor dem Biegen kurz in Wasser. Wieder akute Brandblasengefahr....

Mit Hilfe eines Rundholzes (eine 1,5-Volt-Batterie tut´s auch) presse ich das Furnier beim Verleimen eine Zeitlang in die Mulde. Nach dem Trocknen schneide und schleife ich es passend zu:

Tatsächlich habe ich das Furnier erst nach dem Verleimen des Halses aufgeklebt, ich erkläre es aber hier.

Der nächste Schritt ist das Verleimen von Hals und Wirbelkasten.

Hierzu säge ich zunächst einen fast senkrechten Schnitt in den Hals, der etwa 5-6 mm kürzer als das  schräge Ende des Wirbelkastens ist. Den Schnitt führe ich so, daß er leicht schräg in das Holz geht, und zwar schräg in Richtung der gerundeten Halsaußenseite. Hinzu kommt ein diagonaler Einschnitt. Ich zeiche den Verlauf zunächst mit Hilfe des Wirbelkastens an und taste mich nach dem groben Sägeschnitt dann ganz langsam mit Raspeln und Schleifpapier an den genauen geschwungen-keilförmigen  Ausschnitt heran. Eine sehr zeitaufwendige Arbeit, der Wirbelkasten muß aber genau in diesen Ausschnitt hineinpassen, damit der Oud später die Saitenspannung aushält. Wie bei allen flächigen Verleimungen rauhe ich die Leimstellen vor dem Verleimen etwas auf, bzw ziehe mit der Raspelspitze einige Rillen hinein.

Hier ein Bild des Ausschnittes. Der Wirbelkasten muß vor dem Verleimen von selbst halten.

Ich verwende hier ziemlich dünnflüssigen Leim, er muß sehr zügig aufgetragen werden. Der Wirbelksten wird in dieses “Leimbett” mit kurzen Hin-und Herbewegungen hineingeschoben. Dies ist bei allen flächigen Hautleimverbindungen wichtig, die beiden Teile werden mit kurzen reibenden Bewegungen sozusagen in die endgültge Position geschoben und halten dann eingentlich auch ohne Pressen. Ich setzte aber trotzdem eine Schraubzwinge an, vorher klopfe ich den Wirbelkasten mit mit einem Hammer vollständig in den Auschnitt hinein.

 

Der Wirbelkasten muß mit dem vorderen Klötzchen etwas über den Hals hinausragen, hier findet später der Sattel seinen Platz.

Weiter geht´s mit dem Griffbrett. Manche Lautenbauer leimen  es erst ganz am Schluß auf, dies hat den Vorteil, daß so die Saitenhöhe noch beeinflußt werden kann. Ich versuche das allerdings über andere Maßnahmen, die ich später noch ausführlich erläutern werde.

 Wichtig ist, daß das Griffbrett absolut plan geschliffen wird, ich rauhe wieder die Unterseite etwas auf. Zum Pressen (hier notwendig!) verwende ich neben Schraubzwingen starke Kunststoff-Leimzwingen. Um den Pressdruck gleichmäßig auf die ganze Fläche zu verteilen, lege ich kleine Hartholzbrettchen unter.

 

Jetzt kann das ganze noch sauber geschliffen und die Halsrundung etwas nachbearbeitet werden. Je flacher der Hals, umso leichter ist das Instrument zu spielen.

 In das Griffbrett werde ich später ebenfalls noch zwei Rand-Zierspäne einlegen, allerdings erst zusammen mit den entsprechenden Randspänen für die Decke.

Die Wirbellöcher bohre ich ebenfalls später.

 Und hier noch ein Bild von Hals und Wirbelkasten, die Kappe des Wirbelkastens ist hier allerdings noch nicht zugeschliffen.

 

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