Wirbellöcher

Die Wirbellöcher sollte man unbedingt mit einer passenden Wirbellochreibahle bohren. Es geht auch von Hand mit Schleifpapier und Stufenbohrung, aber die Wirbel sitzen dann nie ganz sauber. Eine Wirbelreibahle kostet etwa 50 Euro und ist eine der wirklich unverzichtbaren Anschaffungen für den Hobby-Oudbauer.

Zuvor etwas zu den Wirbeln:

Ich verwende fertig gekaufte Viola Wirbel, je nach Art des Oud Viola mittel oder Viola schwach.

Wenn man - wie ich hier - relativ weiches Holz, nämlich  Nuß, für den Wirbelkasten verwendet, ist es nicht unbedingt ratsam, Ebenholzwirbel zu nehmen. Die Wirbel müssen zwar aus härterem Holz als der Wirbelkasten sein, Ebenholz frißt sich aber geradezu in das weiche Nußholz hinein, die  Wirbel rutschen so beim Stimmen mit der Zeit immer tiefer. Das gilt vor allem beim relativ flachen Viola- oder Geigenkonus (1 zu 30). Der normale Konus arabischer Oudwirbel ist um einiges steiler, was ein starkes Hineinrutschen  verhindert. Selbst Wirbel zu drehen, ist aber ein sehr großer Aufwand an Zeit und Material, so daß nichts dagegen spricht, Wirbel zu kaufen. Violinwirbel sind etwas zu kurz, es bleibt bei Viola.

 Ebenholzwirbel sind ideal für Ahornwirbelkästen ode ähnlich hartes Holz. Hier verwende ich Buchsbaumwirbel, sie sind ebenfalls sehr hart, aber noch deutlich weicher als Ebenholz. Für selbstgedreht Wirbel sind harte Obsthölzer ideal.

Zum Ermitteln der richtigen Wirbelabstände auf einem stark gebogenen Wirbelkasten verwende ich eine kurze Schnur als Hilfsmittel. Ich klebe sich auf die Mittellinie der Wirbelkastenwand und markiere zunächst  den ersten und den letzen Wirbel. Dann klebe ich die Schnur straff auf den Arbeitstisch, messe die Abstände aus, teile die gemessene Länge durch 10 und markiere diese Punkte:

Danach wird die Schnur wieder aufgelegt und die Markierungen übertragen.

Die Löcher bohre ich zunächst mit der Bohrmaschine und einem Bohrer, der dünner sein muß als das dünne Ende des Wirbels, aber dick genug, um die Spitze der Reibahle aufzunehmen.

 Ich zeichne die Löcher nur an einer Seite an, lasse dafür den Bohrer auf der anderen Seite nur kurz anreißen und korrigiere den richtigen Sitz mit einem Vorkörner, bevor ich durchbohre:

Beim Durchbohren des gegenüberliegenden Loches muß man sehr aufpassen, daß das Holz nicht ausreißt, also unbedingt auf einer Unterlage bohren! Auf dem Bild sieht man die Markierungen und die Reibahle im Einsatz:

Es ist nicht sinnvoll, die Löcher jetzt schon bis zur vollen Tiefe zu bohren. Besser ist es, mit der Reibahle nur so weit vorzugehen, das der Wirbel 1-2 mm in der zweiten Wand steckt. Wenn man - wie ich hier - die Löcher vor der Politur fertigt, muß später noch ein wenig nachgebohrt werden, weil immer etwas vom Schellack in den Wirbellöchern hängenbleibt. Sonst rutschen die Wirbel leicht zu tief in die  Bohrung. Bei der Reibahle geht es mir wie bei einem guten Hobel, ich muß mich zwingen, aufzuhören...

Es ist sehr wichtig, Wirbel für Wirbel gesondert anzupassen und die Wirbel entsprechend zu nummerieren. Selbst bei gekauften Wirbeln ist unterscheidet sich jeder Wirbel vom anderen um 1-2  10-tel mm, und das ist bei einem schwachen Konus sehr viel.

Es ist besser, Wirbel ohne Saitenloch zu kaufen, und die Saitenlöcher je nach Einsetztiefe selbst zu bohren. Die Wirbel sollten mit der Wirbelkastenwand bündig abschließen und alle auf der Griffseite gleich weit vom Wirbelkasten entfernt sein., also müssen zumindest die Wirbel für die Basssaiten etwas gekürzt werden, da hier der Wirbelkasten schmaler ist.

Die Bohrungen kann man entweder mit einem überschüssigen Wirbel oder einem Buchsbaum-Konus etwas verdichtenund glätten, so rutscht der Wirbel später weniger weit hinein:

Und hier der fertige Wirbelkasten ohne Wirbel:

 Und hier mit allen Wirbeln. Die abweichende Farbe der Wirbel wird nach der Politur nicht mehr auffallen, da ich Rubin-Schellack verwenden werde.

Die Wirbel nehme ich anschließend wieder heraus, habe sie abr fortlaufend nummeriert.

 

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