Hals und Wirbelkasten

Im nächsten Schritt werden Hals und Wirbelksten angefertigt.

Der Hals wird aus einem massiven Stück Nußbaum gemacht.

Ich suche mir zunächst ein farblich passendes Holzstück. Der Anhalt ist die Holzfärbung des Körpers im Bereich der 3 mittleren Späne, deren Farbe soll sich sozusagen in den Hals hinein fortsetzen. Ich verwende hier also sehr helles Nußbaumholz. Man kann auch andere Holzarten als das Korpusholz verwenden, man kann auch über einen weicheren Holzkern härtere Furniere aufziehen. Ich mag  allerdings die natürliche Holzmaserung am liebsten. Für mich ist der Oud wirklich, was sein Name sagt: ein Stück Holz. Und das versuche ich beim Bauen auch auszudrücken.

 Die drei Maße sind für den Hals mehr oder minder fest:

  • Die Länge mit 20 cm für eine 60-cm Standardmensur
  • die Halsbreite an der Korpusseite mit 5,5-6 cm, je nach Blockgröße (+ 2 mal die Spandicke!)
  • die Halsbreite an der Wirbelkastenseite mit 3,5-4 cm, je nach Handbreite und Spielgewohnheit.

Für kleine Hände ist eine schmalere obere Halsbreite ideal, außerdem eine abgeflacht halbrunde Außenseite des Halses. Der Hals soll weich und ohnee zu drücken in der Hand liegen können.

Ich suche mir also ein passendes Holzstück, die Maserung ist selbstverständlich entlang der Längsachse zu nehmen. Ich kürze den Block zunächst auf 20,5 cm und zeichne parallel zur Maserung die Mittellinie eine. An den beiden Stirnseiten zeichne ich mit dem Zirkel  die entsprechenden Halbkreise auf. Da ich leider noch keine Bandsäge habe, muß ich meine große japanische Zugsäge bemühen:

Mit mehreren Längsschnitten arbeite ich mich an die halbrunde Form heran. Den Rest erledige ich mit dem Bandschleifer. Ihn verwende ich für die Ausarbeitung aller gerundeten Holzteile. Professioneller und für die Gesundheit besser wäre der Einsatz von schneidenden und schabenden Werkzeugen, also Instrumentenbauhobeln und Ziehklingen. Aber mit dem Bandschleifer geht´s halt schnell und ohne die teuren guten Hobelchen und messerscharfen Stecheisen....ein richtiger Instrumentenbauer würde allerdings alles von Hand hobeln, schnitzen und glätten, ein fauler Instrumentenbauer würde vorgefräste Teile verwenden. Gibt es aber nicht für OUDS! Allerdings ist der Umgang mit dem Bandschleifer auch nicht ohne, man muß höllisch aufpassen, damit nicht ruck-zuck Haare oder Kleidung oder die  Fingerkuppe mitgerissen werden. Pflaster paratlegen, Ärmel zurück, Haare zusammebinden, falls nötig und unbedingt das Gerät gut auf der Werkbank befestigen. Ich verwende außerdem eine schaltbare  Steckdose und fixiere den Schaltknopf am Bandschleifer in Dauerposition, so daß ich nicht unter das laufende Gerät greifen und ausschalten muß.

 Ich arbeite den Hals noch nicht 100 % aus, sondern lasse vorerst noch einige mm auf jeder Seite zuviel stehen.

Das Bild zeigt den noch etwas zu langen und zu breiten Hals an den fertigen Korpus angelegt.

Das Griffbrett kann jetzt schon oder erst später angerfertigt werden. Prinzipiell geht es auch ganz ohne, wenn das Holz für den Hals relativ hart ist, wie z.B. Ahorn. Ebenholz ist aber ideal, es bildet einen schönen Kontrast und nützt sich am wenigsten durch die Saiten ab. Ich verwende einen Ebenholzrohling für Gitarrengriffbretter, den ich entsprechend zuschneide. Das Bild zeigt das aufgelegte Griffbrett mit  dem fast vollständig ausgearbeiteten Hals. 

Ich mache den Hals im Querschnitt etwas abgeflacht halbrund, ist aber Geschmackssache. (Nachtrag: für spätere Ouds habe ich den Hals sehr abgeflacht, er liegt dadurch besser in der Hand, allerdings ist er etwas weniger resistent gegen das Hochbiegen durch den Saitenzug im Kaufe der Jahre)

Der Hals wird später noch weiter bearbeitet, vorerst bleibt er aber so. 

Weiter geht´s mit dem Wirbelkasten:

Ich nehme wieder Walnußholz. Aus einem farblich passenden Klotz säge ich mit Hilfe einer Schablone die Seitenteile aus. Dieser Block ergibt vier Seitenteile, reicht also für 2 Ouds.

Für die Form gibt es keine strenge Regel, der Wirbelkasten kann mehr oder weniger abgewinkelt an den Hals anschließen, ein Standardwinkel liegt bei 42 Grad, ich bevorzuge aber einen relativ steilen  Winkel und eine geschwungene Form. Die Form sollte zum optischen Charakter des jeweiligen Oud passen. Hier entscheide ich mich für die folgende:

 Hier noch ein Bild vom etwas mühsamen Sägeprozeß von Hand...

Mit der Ryoba Zugsäge läßt sich sehr fein und sehr genau arbeiten, allerdings nur in geraden Schnitten. Es gibt auch feine japanische Stichsägen, ich bevorzuge allerdings wieder meinen altbewährten  Bandschleifer, um die geschwungene Form der Wirbelkastenseiten auszuarbeiten. Ich schleife zunächst jedes Teil für sich zu etwa 90 % in Form. Dann klebe ich beide Teile mit doppelseitigem Klebeband aneinander und forme sie gemeinsam endgültig aus.

Mit der Vorderwalze lassen sich die feinen Rundungen an der Innenseite und an der Kappe modellieren:

 

Und so sieht das Ergebnis aus. Ich habe das Holz so ausgewählt, daß im Bereich der Kappe eine schöne kontrastreiche Maserung zu sehen ist, für meinen Geschmack ist nichts so langweilig wie eine völlig einfarbige Holzstruktur. Auf dem Bild ist auch der Verlauf der Holzfaser zu sehen, sie ist etwa parallel zur Zugrichtung der Saiten.

 Die beiden Seitenteile werden mit Hilfe zweier Abstandsklötzchen (ebenfalls Nuß) im richtigen Abstand zusammengeleimt. Eigentlich eine ganz einfache Sache, aber sie hat es in sich: Die Form der Klötzchen  bestimmt nämlich die vordere und hintere Breite des Wirbelkastens. Die vordere Breite richtet sich natürlich nach der oberen Halsbreite, der Wirbelkasten wird aber nach oben hin schmaler. Ich forme  den oberen Klotz so, daß für den letzen Wirbel innen nicht mehr als1,5 bis 1,7 cm Platz bleibt, der Wirbelkasten schaut so eleganter aus. Außerdem lasse ich denWirbelkasten zum Boden hin etwas breiter werden, er ist so der zunehmenden Breite des Halses ideal angepaßt und auch stabiler.

 Das Bild zeigt die beiden Klötze an der späteren Position. Ich habe mich langsam mit Bandschleifer und Schnitzmesser an die richtige Schrägung herangetastet. Diese vier Teile werden nun verleimt und sauber verschliffen. Die Wände können jetzt schon an der Innenseite abgeschrägt werden, entweder mit einem Dremel mit Schleifaufsatz oder mit Schnitzmessern. Die Abschrägung ist vor allem im vorderen  Blockbereich wichtig, da die äußeren Saiten über die Wirbelkastenwände laufen. Das untere Bild zeigt den ersten Ansatz einer Abschrägung, ich arbeite sie erst an Schluß ganz aus.

 

Die Kappe wird später noch mit einem schwarzgefärbten Ahornfurnier überzogen.

Zuerst ist aber der Boden an der Reihe. Ich nehme ein farblich zum Hals passendes Nußholzbrettchen in  Spandicke, drücke es gegen den Wirbelkastenkorpus und zeichne die ungefähren Umrisse an. Nach dem Aussägen und Glatthobeln der Kanten muß das Teil mit dem Biegeeisen sehr sorgfältig in die richtige Form gebogen werden. Hier ist die gleiche Präzision in der Anpassung nötig, wie beim Korpusaufbau, sonst läßt sich der Boden bei einem geschwungenen Wirbelkasten wie diesem nicht  fugendicht verleimen. Es ist sehr sinnvoll, an beiden Schmalseiten genug Holz überstehen zu lassen, sonst wird das Biegen dort sehr schwierig und die Zahl der Brandblasen steigt ins Astronomische... Bei manchen billigen Lauten wird nur ein dünnes Furnier aufgezogen, es ist aber besser, einen Boden mit etwa 2-2,5 mm Dicke zu machen. Der Boden wird mit etwas Überstand an den Seiten und am “Schnabel” mit Hilfe von Leimzwingen und Paketklebeband aufgeleimt.

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