Korpusaufbau

Es geht auch ohne eingelegte Zierspäne. Aber besser ist es mit.

Am besten ist es, schwarze oder zumindest dunklere Zierspäne zu verwenden, sie kaschieren kleinere Schönheitsfehler an den Leimnähten. Ideal ist, wie schon erwähnt, Fibermaterial, also synthetisch hergestellte Späne, wie sie auch beim Geigenbau verwendet werden. Und der Korpus schaut einfach schöner aus, man erkennt, wie mühevoll die Herstellung aus so vielen Einzelspänen war. Je feiner der Zierspan, umso edler die Wirkung.Wenn man breitere Späne verwendet (ab 2 mm), ist es sinnvoll, sie an den Enden etwas der eliptischen Spanform anzupassen, da sonst vor allem am Halsende kaum mehr etwas von den normalen Spänen zu sehen sein wird.

Ich verwende hier 1 mm dicke schwarze Fiberspäne, die ich aus Platten mit der Schere zuschneide, und knapp 2 mm dicke und 3 mm hohe helle Ahornspäne, die wie die normalen Späne mit Hitze gebogen werden müssen. Dabei werde ich jeweils einen Nußbaumspan mit den schwarzen und den nächsten mit den weißen Zierspänen einrahmen. Der Mittelspan wird schwarz eingefaßt.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Zierspäne zu verarbeiten: Die eine ist, sie am fertig angepaßten , aber noch nicht verleimten Span anzuleimen ( man kann sie mit einer Gummischnur fixieren) und sie nach dem Trocknen zusammen mit dem Span zu verarbeiten. Die andere ist, sie erst nach dem Verleimen des Haupspans an diesen anzusetzen. Ich wähle die letztere, und zwar deshalb, weil ich kurz vor dem Verleimen oft noch mit dem Biegeeisen nacharbeite und sich da der Zierspan wieder lösen würde.

Es muß darauf geachtet werden, daß der Zierspan auf der Innenseite nicht nach innen gezogen sein darf, da die Naht sonst später beim Abrunden der Facetten leicht durchgeschabt werden kann,

Ich bestreiche die Zierspäne zum Befestigen Abschnitt für Abschnitt mit ziemlich dünnflüssigem Hautleim und fixiere mit den Fingern, bis der Leim klebt.Dann schlage ich an den Bögen wieder Stahlstifte ein. Am Mittelspan presse ich außerdem mit Leimzwingen, bei den übrigen Spänen mit Wäsheklammern.

 

 

 

 

Hier die Fixierung der weiteren Zierspäne mit Wäscheklammern:

 

 

 

 

 

Wenn man beim Verarbeiten mit Hautleim lange genug mit den Fingern fixiert, braucht man im Grunde gar keine Klammern, da Hautleim sich beim Trocken zusammenzieht und dadurch selbt hält. Leimreste müssen allerdings vor dem Anpassen des nächsten Spanes sorgfältig entfernt werden.

Gottseidank habe ich zur Kontrolle immer einen erfahrenen familieneigenen Fachmann bei der Hand....

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Anpassen der übrigen mittleren Späne:

Ich habe für die Korpusmitte die helleren Nußbrettchen vorgesehen, zum Rand hin werden die dunkleren verarbeitet. Man kann auch ein hell-dunkel-Muster wählen, aber dazu sollte das Holz einen deutlichen Farbkontrast haben, also besser von verschiedenen Holzsorten stammen, die idealerweise auch ähnliche Eigenschaften haben.

Das Anpassen Span für Span ist das Kernstück der Arbeit am Korpus uind kostet verdammt viel Zeit, sorgfältiges Arbeiten ist hier aber für Stabilität und Schönheit des Oud von größter Bedeutung. Korpusse, die mit Zwang zurechtgebogen und verleimt wurden, brechen früher oder später auf.

Ich gehe so vor:

Zuerst passe ich grob das hintere Ende (das auf dem großen Block geleimt wird) an, beim Sägen hier immer auf etwas Zugabe achten. Mit einem Bleistift zeichne ich den erwünschten Verlauf an beiden Kanten an und ziehe die Kanten mit dem Flachwinkelhobel ab. Danach schleife ich auf der Schleifbahn nach, damit der Kantenwinkel stimmt. Die Markierungen auf Blöcken und Korpusbögen sollten unbedingt eingehalten werden.Dann wird zunächst die obere Kante ausgearbeitet, an der der Span verleimt wird. Lücken erkennt man leichter, wenn man eine kleine Lampe im Inneren der Form anbringt, die allerdings nicht zuviel Hitze abstrahlen sollte. Man kann auch durch Kreideauftrag sehen, wo noch zuviel Holz ist. Dies ist eine ziemlich nervtötende Phase des Oudbaus, aber jede Schlamperei hier rächt sich bitter.

Wenn die obere Kante paßt, wird die untere entsprechend den Markierungen auf Blöcken und Bögen angezeichnet und mit Hobel und Schleifbahn ausgearbeitet.

Jetzt kann verleimt werden.

    Vor dem Verleimen unbedingt Folienstreifen unterlegen!!! Ich nehme feste kurze Folienstreifen, die ich beim Anpassen herausziehe (sie stören da nur) und vor dem  Verleimen wieder unterklemme und mit Reißnägeln in Position halte. (Schokoriegelfolien sind super geeignet und haben auch noch einen super netten Inhalt....) Außerdem achte ich  darauf, daß die schon verleimten Späne auf der gegenüberliegenden Seite noch mit ein paar Nägeln fixiert sind, damit sich die Späne beim Einschlägen der Nägel nicht auf eine Richtung verschieben. Das ist zumindest bei den erste 4-5 Spänen wichtig, es sei denn, man ist so großzügig und sichert den Mittelspan durch einen eingeschlagenen Nagel. Ich versuche, möglichst ohne solche Nagellöcher auszukommen, sie müssen später ja wieder gefüllt werden und bleiben immer sichtbar..

 

    Dann wird beginnend am linken Block wieder Abschnitt für Abschnitt verleimt. Man könnte auch Leim auf die ganze Länge des Spans auftragen und dann mit einem heißen Eisen bei Anpressen den Hautleim wieder zum Schmelzen bringen. Aber warum komplziert, wenn es einfach auch geht.
    An den Blöcken fixiere ich mit Reißnägeln, die ich von Hand eindrücke und mit dem Hammer so  einschlage, daß die Kappe sich fest um den Span biegt und ihn an den Block preßt.

    Wenn der Span sauber gearbeitet ist, schmiegt er sich nun von selbst an den Vorderspan. Jetzt muß man ihn nur noch Stück für Stück leicht aufbiegen, etwas nicht zu dicken Hautleim in die entstehende Spalte laufen lassen, etwas mit den Händen bis zum Gelieren anpressen und dann mit nur einem Stahlstift pro Bogen fixieren. Man kann den Stift so einschlagen, daß der Span fest an den Vorderspan gepreßt wird. . Wichtig ist, daß die aufeinandertreffenden Kanten auf der Innenseite des Korpus bündig abschließen. Wenn der Span an einer Stelle nicht ideal gebogen war, kann man mit Leimzwingen oder Schraubzwingen nachhelfen, sie bleiben dann auf dem Span, bis der Leim sicher hält.

    Am hinteren Block gehe ich vor wie beim vorderen. Auf dem Bild ist bereits der erste Ahornspan zusehen. Die Leimreste sind noch auf den Spänen. Ich trage den Hautleim immer in einem kleinen Wulst  auf, bzw. lasse bis zum völligen Trocken einen Wulst stehen (siehe Extraseite Arbeiten mit Hautleim). Leim also nicht sofort abwischen!!!

    Die Nägel lasse ich jetzt ca. 2 Stunden stehen, danach können sie entfernt werden. Ich arbeite allerdings auf dieser Seite erst weiter, wenn der Leim völlig getrocknet ist. Man erkennt dies daran, daß man ihn wie Kunststoff mit dem Messer abschaben kann.

    Nach derselben Methode wird nun der Korpus Span für Span (bzw. Zierspan...)  aufgebaut. Man muß nur darauf achten, die Markierungen auf der Form in etwa einzuhalten und symmetrisch zu arbeiten, vor allem im Bereich des Halsansatzes und des hinteren Blockes, da hier Unregelmäßigkeiten später am stärksten auffallen.
    Ich schabe die bereits getrockneten Nähte (mit Ausnahme der äußersten Späne, sie haben noch nicht genug Halt!) immer gleich ab, dadurch sehe ich, ob die Fuge sauber gearbeitet ist. Abschaben heißt, mit einem scharfen glatten Messer oder der Ziehklingen die Facette soweit entfernen, daß eine vollständige  Rundung entsteht. Es geht am leichtesten mit einem guten scharfen Haushaltsmesser mit Glattschliff, man kann es leichter führen als eine Ziehklinge und auch gut “verkantet” arbeiten, das heißt, das Messer  jeweils so schräg ansetzten, daß es die Fasern leicht schaben oder abziehen kann. Eine geradezu lustvolle Tätigkeit, weil man sieht, wie Stück für Stück unser Oud zum Vorschein kommt! Ich liebe diese Arbeit!!!
    Hier noch ein Bild der ersten drei Späne:

    Und hier eine Detailaufnahme der ersten 5 Späne, sie sind bereits (außer an den Blöcken) weitgehend versäubert: Ob eine Leimfuge sauber gearbeitet ist, erkennt man in jedem Fall bei den hellen Zierspänen, hier kann nichts, aber auch gar nichts kaschiert werden... Man sieht hier gut die etwas grobporige Struktur des Nußbaumholzes.

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