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Der zweite Arbeitsschritt ist das Anfertigen der Spanschablone mit Hilfe der Markierungen auf den Querbögen der Form. Ich lege dazu eine transparente dicke Folie aus elastischen PVC-Material über den Längsbogen der Form, etwa in doppelter Spanbreite, und zeichne mit einem Permanentmarker die Markierungen des Mittelspanes auf die Folie. Die Markierungen werden nur auf Transparentpapier übertragen und die einzelnen Markierungspunkte zu einer harmonisch geschwungenen Linie ergänzt. Damit das ganze symmetrisch wird, falte ich das Transparentpapier wieder in der Mitte und schneide dann beide Kanten miteinander aus, bei Abweichungen etwa in der Mitte beider Linien. Dann übertrage ich diese Schablone auf eine ca. 1 mm dicke ebenfalls transparente PVC Platte (gibt es im Baumarkt) und schneide sie mit der Schere vorsichtig aus. Durchsichtig sollte das Material deshalb ein, weil man so aus den Spanbrettern mit der Schablone genau den Teil heraussuchen kann, der von der Maserung am besten paßt. Sollte das Material leicht brechen, kann man es vor dem Schneiden etwas erwärmen. Zur Kontrolle des Kantenverlaufs gehe ich schließlich noch mit einem dicken Permanentmarker über die Kanten, da man bei transparentem Material nicht so gut sieht, ob die Schnittkante schön gerade ist. Notfalls eben nachbessern... Die fertige Schablone kann an der Form nochmals kontrolliert werden. Zuletzt trage ich noch Markierungen für die äußeren und den mittleren Querbogen ein. Das Foto zeigt die Schritte bis hin zur fertigen Schabone.
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Und jetzt kann auch schon der erste Span angefertigt werden!!!
Doch vorweg noch einige Anmerkungen zum Holz für den Korpus. Ich verwende ca. 15 Jahre altes deutsches Walnußholz, das ich in dicken Bohlen von einem Schreiner gekauft habe. Ich lasse das Spanholz auch vom Schreiner in 80 cm lange, ca. 4 cm breite und 3-3,2 mm dicke Brettchen aufschneiden, das spart sehr viel Arbeit. Solche dünnen Brettchen trocknen sehr gut nach, wenn man sie warm und luftig lagert, so daß man Holz, das erst zwei oder drei Jahre alt ist, nach einem weiteren Jahr auch verwenden kann. Besser ist aber immer möglichst altes Holz.
Es können für den Korpus alle möglichen Hartholzarten verwendet werden. Ich habe bisher nur mit Ahorn und sehr altem Nußholz Erfahrung. Für meinen ersten Oud habe ich 10 Jahre alte Ahornbrettchen verwendet, der Klang ist sehr klar und voll, für meine Ohren fast etwas hart. Der zweite Oud besteht im Korpus aus 50 Jahre altem sehr feinfaserigem Walnußholz, ein kleiner Stamm, den der Schreiner verächtlich als “Abfallholz” bezeichnete, den ich aber wegen seines Alters trotzdem verarbeitete. Er klingt sehr weich, “arabisch” kehlig und das ganze Instrument vibriert beim Spielen. Obstbaumhölzer, vor allem Kirsche, aber auch alle anderen, sollen ebenfalls gut geeignet sein. Daneben natürlich die klassischen Gitarrenhölzer wie Palisander oder Mahagoni. Es ist aber ein Problem, gut abgelagertes und auf keinen Fall kammergetrocknetes Holz zu finden. Je älter das Holz, um so besser für den Klang - wenn man seine Antiquitäten opfert, kriegt man vielleicht eine super tolle Laute dafür - tatsächlich verwenden manche Oudbauer alte Türen oder Tischplatten. Angeblich soll es den Klang auch verbessern, wenn das Holz eine Zeitlang Wasser ausgesetzt war. ...also her mit den alten Schiffsmasten!!! Nußbaum ist in jedem Fall eine gute Wahl, und die kontrastreiche Maserung ist auch sehr hübsch. Es hat etwas grobe lange Poren, aber sie verschleifen sich gut und müssen auch nicht mit Porenfüller behandelt werden. Das Holz muß von der Struktur her möglichst frei von Astlöchern, Verwachsungen und zu unregelmäßigen Verfärbungen sein. Es kann aber auch sehr reizvoll sein, das Holz sozusagen “wie gewachsen” (siehe mein Oud Nr. 2) zu verwenden, allerdings kann das beim Biegen etwas Probleme machen. Wurmlöcher sind in jedem Fall schlecht, Schimmel sowieso. Das Holz wird parallel oder leicht diagonal zu den Jahresringen aufgesägt, damit es beim Biegen nicht bricht. Kleinere Abschnitte können für Hals, Wirbelkasten und Brücke verwendet werden. Eine weitere Frage ist, ob man zwischen den Spänen kontrastierende Zierspäne einlegen will. Ich würde dazu raten, auch wenn es etwas mehr Arbeit ist, es schaut viel schöner aus und es bietet auch noch einige Vorteile: Es fallen kleine, die Stabilität nicht beeinträchtigende Fehler optisch weniger auf. Wenn man, wie ich hier, Fiberspäne verwendet, werden die Leimnähte sogar wesentlich sauberer. Das Fibermaterial hat außerdem die wunderbare Eigenschaft, winzige Spalten zu überbrücken, es läßt sich im (duch den Hautleim) feuchten Zustand nämlich unter Druck verformen. Es ist auch kalt biegbar und beeinträchtigt den Klang nicht, wenn man es nicht zu dick verwendet. Gut geeignet sind auch sog. Baßspäne, wie sie im Geigenbaufachhandel gekauft werden können. Mosaikspäne (Fa. Rost!) sind zwar sehr schön, aber ich ziehe für den Korpus einfache Späne vor, in ihre Haltbarkeit habe ich mehr Vertrauen. Nächster Schritt: Der ersten Span! Es ist sinnvoll, sich zunächst Gedanken zu machen, in welcher Reihenfolge welche Spanhölzer, ausgehend vom Mittelspan, verleimt werden soll. Dazu legt man alle verfügbaren Brettchen auf dem Arbeitstisch so aus, wie sie später im Oud liegen sollen. Für diesen Oud habe ich nur einen kleinen Teil des Holzes aufsägen lassen. Es sind hellere und dunklere Brettchen dabei, die helleren verwende ich für die mittleren Späne, zum Rand hin werde ich die dunklereren verleimen. In die Spanschablone brenne ich mit einem erhitzten Nagel drei kleine Löcher. Die Schablone wird nun mit drei Reißnägeln auf dem Holz befestigt. Jetzt zeigt sich der Vorteil der transparenten Schablone, mit ihr kann genau der Teil herausgesucht werden, der am schönsten gefärbt ist. Mit einem Fineliner nachziehen, mit der Stichsäge auf der Linie oder etwas außerhalb aussägen, die Kanten am eingespannten Hobel glätten, damit sie beim Biegen nicht aufsplittern - fertig ist der Rohspan.
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