Versäubern

Unter Versäubern verstehe ich das Abziehen der Facetten von innen und außen, das Abschleifen, das Einsetzen des “Spiegels” sowie das Sichern der Nähte mit aufgeklebten Papiertreifen.

Nachdem der Korpus nun in  langwieriger bis manchmal langweiliger Kleinarbeit aufgebaut ist, sind diese Arbeiten geradezu berauschend: Man kann die Facetten mit der Ziehklinge abziehen, ich verwende hier ein stinknormales Küchenmesser, es liegt mir besser in der Hand.

    Die Klinge soll ohne viel Druck leicht über das Holz gleiten und einen deutlichen Span abheben. Man muß aber höllisch aufpassen, daß man die Nähte nicht durchschabt, also immer mit dem Finger und etwas Druck  testen! Es ist generell besser, mit der Klinge zu arbeiten als mit Raspel und Schleifpapier, das Holz kann auch mit der Ziehklinge absolut sauber abgezogen werden. Ich schleife aber trotzdem noch ein bißchen nach. Die Facetten sollten kaum mehr spürbar sein. Am schwierigsten is das Abziehen am hinteren Blockende, hier arbeite ich auch diagonal zum Spanverlauf.

    So sieht der fertige Oudkorpus, noch auf der Form, jetzt aus:

    Und so das ganze von hinten. Die Spanenden sind noch so, wie sie verleimt wurden.In fast allen  türkischen und arabischen Lauten wird ein “Spiegel” eingesetzt, um einen sauberen schönen Abschluß zu erreichen. Es gibt allerdings auch Ouds ohne, meistens haben diese dann stark verbreiterte Randspäne. Mir gefällt der Spiegel aber besser.

    Der nächste Schritt ist also das Anfertigen eines Spiegels.

     Wie groß dieser ist, ist Geschmackssache, richtet sich aber auch danach, wie sauber die Spanenden gearbeitet wurden. Mir gefällt ein eher kleinerer Spiegel besser, und es wirkt zierlicher, wenn er mit seinem Mittelpunkt etwas nach oben versetzt wird, so daß er nicht genau halbkreisförmig, sondern etwa 2/3 kreisförmig ist. Bei türkischen Lauten wird meist ein sehr kleiner kreisrunder Spiegel oberhalb der Randspäne eingesetzt.

     Mit dem Zirkel messe ich ab, wie groß er mindstens sein muß, damit die Spanenden einigermaßen symmetrisch zulaufen. Dann fertige ich ein rundes Pappstück mit diesem Radius an und teste damit am  Korpus, welche Position an besten ausschaut und zeichne diese auf. Im oberen Bild ist das schon zu sehen. Den Kreis zeichne ich auch auf das Holz, das ich für den Spiegel gewählt habe. Es sollte etwa die gleiche  Dicke wie die Späne haben. Ich entscheide mich hier für Ebenholz, um bei dem etwas unruhigen Erscheinungsbild dieses Korpus einen starken Kontrast zu schaffen. 

    Die Maserung nehme ich quer. Ich säge mit der Laubsäge den Kreis ganz aus.

    Dann steche ich mit Schnitzwerkzeugen den Kreis aus den Spanenden aus:

    Ich entscheide mich, um das Ebenholz herum noch einen feinen schwarzen Fiberspan zu legen, so wird die Fuge sauberer. Man kann auch einen kontrastierenden Zierspan verwenden und in den Spiegel ein kleines  Motiv einlegen, macht aber mehr Arbeit, deshalb lasse ich es hier bleiben.

    Wenn alles sauber ausgeschnitten ist, wird der Spiegel mit etwas Überstand nach unten hin gerade geschnitten, zusammen mit dem Fiberspan eingeleimt und mit einer großen Zwinge gepreßt. Auf dem Bild sind noch die Enden des Fiberspanes zu sehen..

     Wenn der Korpus sauber abgezogen und eventuell fein geschliffen ist, ist endlich der große Moment gekommen:

    Der Oud wird von der Form genommen.

     Beim ersten Mal bereitet dies noch gewaltiges Herzklopfen, bei diesem dritten Oud ist es schon ein bißchen  Routine. Ich kontrolliere zunächst mit dem langen flachen Spachtelmesser alle Kontaktstellen von Korpus und Form und löse, wo trotz der Folienstreifen Leim hängen geblieben ist, die Späne vorsichtig von der Form. Da der Spachtel biegsam ist, gelingt dies normalerweise ohne Probleme auch im Bereich der Blöcke.  Dann nur noch die Schrauben aufdrehen, den Korpus vorsichtlich ohne Gewalt herausheben und fertig!!!

    Und so schaut das ganze nun von innen aus:

    Hier sieht man, daß noch eine ganze Menge Versäuberungsarbeit bevorsteht: 

    Bei billigen Ouds wird im Inneren nicht viel abgeschabt, aber für ein gut klingendes Instrument sind rauhe und unebene Innenwände von Nachteil, da d er Klang so nicht sauber reflektiert werden kann. Ich ziehe deshalb die Innenseite soweit wie möglich mit der Schwanenhalsklinge ab. Hier ist es wichtig, mit absolut scharfem Werkzeug und auf Zug zu arbeiten, mit wenig Druck auf die dünnen Leimnähte, die oft nur einen halben mm dick sind, da sie schon von außen an den Facetten abgeschabt wurden. Ich lege den Korpus dabei auf ein dickes Kissen. Abgeschabt werden zum einen die überstehenden Zierspäne und Leimreste, zum anderen auch die dickeren Spanmitten, um sie ein wenig der Innenrundung anzupassen.

    Als letztes werden nun noch die Papierstreifen eingeklebt.

     Sie haben die Funktion, die Leimnähte zu stabilisieren und zu verstärken. In vielen arabischen Ouds wird billiges Packpapier verwendet. Besser ist aber säurefreies hochwertiges Aquarellpapier. Ich verwende beigefarbenes Ingres-Künstlerpapier.

    Das Papier wird in 1-1,2 cm breite Streifen aufgeschnitten.

    Am vorderen Block schneide ich die Streifen etwas schmaler, damit sie nicht überlappen. Dann klebe ich sie mit ziemlich dünnflüssigem Hautleim über die Fugen und drücke sie gut fest. In einem zweiten Durchgang  streiche ich nochmals Leim über das Papier, damit es vollständig durchtränkt wird. Der trocknende Leim hält die Fuge so fest zusammen und ergibt mit dem faserigen Aquarellpapier eine sehr stabile Bahn. Man muß  allerdings gut aufpassen, daß nicht zuviel Leim aufgetragen wird, sonst quillt auch der Leim zwischen den Spänen wieder auf, und es kann passieren, daß eine Naht aufgeht. Ich streiche deshalb immer nur etwa 10 cm weit Leim auf und presse das Papier sofort darauf, es saugt dann die Feuchtigkeit gut auf. Es kann auch sinnvoll sein, den Korpus von außen mit gedehntem Paketklebeband zu sichern. An den Blöcken lasse ich  die Streifen etwa 2-3 mm überlappen, hier der hintere Block::

    Ich streiche dann zum Schluß auch noch die Späne leicht mit dünnem Hautleim ein. Es gibt auch Oudbauer, die den Korpus von innen lackieren, um ein besserer Reflektieren der Schallwellen zu erreichen. Ich werde bei diesem Oud eventuell später noch innen eine sehr dünne Schellackschicht auftragen.

    Zu guter Letzt schleife ich über einer Schleifbahn (4 auf den Arbeitstisch mit Doppelklebeband aufgeklebte 40-er Schleifpapiere) die oberen Kanten und Blöcke des Korpus gerade ab. Als kleines Hilfsmittel verwende ich wieder einen Buntstift, mit dem ich auf den Blöcken 8-er Linien aufzeichne, auch an den Oberkanten ziehe ich eine Linie. So sehe ich genau, wo noch etwas zu tief ist. Der Korpus wird mit zwei Händen und mäßigen Druck vorsichtig vorwärts und rückwärts diagonal über die Schleifbahn geführt, so entsteht eine saubere gerade Oberfläche. Man muß hier aber mit Fingerspitzengefühl arbeiten, damit keine Naht aufbricht, es entstehen beim Schleifen ziemliche Kräfte!

    .....Und hier nach vielen mühsamen Arbeitsstunden nun der fertige Körper unseres Oud:

    ...würde sich auch so schon gut machen, vielleicht als modernes Kunstwerk, finde ich!

     

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