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Der letzte Schritt ist nun noch die Schellackpolitur.
Man kann natürlich auch eine andere Form der Oberflächenversiegelung wählen, aber eine Schellackpolitur ist das hochwertigste, was für Zupfinstrumente gewählt werden kann, sie klingt optimal, ist schön und durchaus machbar. Man braucht ca 2 Tage dafür, aber der Aufwand lohnt sich.Traditionell wird ein sog. Polierballen verwendet, ein altes Baumwoll-oder Leinen-Tuchstück, das mit Watte oder ähnlichem saugfähigem Füllmaterial von innnen gefüllt und in einer bestimmten Weise gefaltet wird. Ich wende aber eine etwas einfacher Methode an, die genauso gut funktioniert. Näheres unten.
Vor der Politur muß der Oud allerdings noch sauber verschliffen werden, je feiner, umso besser. Man kann am Schluß auch feine Stahlwolle verwenden, vor allem für die Decke, sogar Bimsmehl. Eine zeitraubende und ermüdende Arbeit, aber für eine schöne Politur unerlässlich.
Das Ansetzen des Schellacks:
Ich verwende für den Korpus und die eingesetzten Teile in der Decke sog. Schellack Rubin, einen dunkelroten Schellack, den ich bei der Fa. Dick in Blättchenform kaufe. Fertigen angesetzten Schellack würde ich nicht empfehlen, man weiß nie, welche Zusatzstoffe er enthält.
Die Schellackblättchen werden in normalem Spiritus 1-2 Tage lang angesetzt, in diese Zeit sollte man die Lösung mehrmals aufrühren und schütteln, da die Blättchen sonst zusammenklumpen. Ich setzte etwa 1 Volumenteil Schellack auf 2 Volumenteile Spiritus an und verdünne die Lösung dann, wie ich es gerade brauche.
Es empfiehlt sich auch, die Lösung zu filtern, da immer noch ungelöste Schellackteilchen darin schweben, vor allem wenn man sie so stark konzentriert ansetzt. Ich lasse die dickflüssige Lösung einfach durch ein altes Baumwolltuch laufen:
Um unerwünschte Schellackflecken auf der Decke zu verhindern, klebe ich diese mit einer Pappschablone so ab, daß das Binding noch freiliegt. Für die Brücke schneide ich ein paar Schlitze ein, so liegt die Pappe an den Rändern sauber auf:
Es ist ratsam, die Poren des eher grobporigen Walnußholzes ein wenig zu füllen. Ich verwende dazu Bimsmehl, das ich mit Schellack aufpoliere. Es schleift feine Holzpartikel ab, die durch den Schellack in den Poren gebunden werden, außerdem wirkt das Bimsmehl selbst als füllmaterial, er wird nach dem Trocknen durchsichtig.
Zum Polieren verwende ich keinen gefüllten Ballen, sondern ein doppelt gefaltetes altes (oft gewaschenes und dadurch weitgehend fusselfreies) Stück Baumwolltuch, daß ich straff über den Zeigefinger ziehe und von außen mit einigen Tropfen Schellacklösung und (im weiteren Verlauf der Politur) je einem Tropfen Leinöl beträufle. Hier vor dem schon fast vollständig polierten Korpus:
Beim ersten Auftrag nehme ich nicht zu dicken Schellack und tupfe den Ballen in Bimsmehl. Mit kräftigen kreisenden Bewegungen werden die Poren gefüllt.
Danach wische ich das überschüssige Bimsmehl ab, bei Bedarf kann dieser Vorgang allerdings auch wiederholt werden.
Für die ersten Schichten verwende ich noch kein Leinöl, es geht nur darum, eine Grundpolitur aufzubauen. Das Leinöl hat die Funktion, den Ballen leichter gleiten zu lassen und Schlieren und Ballenspuren so weit wie möglich zu reduzieren. Die ersten Lagen werden in Längsrichtung gearbeitet, mit der Maserung, um die Politur in die restlichen noch offenen Poren einzureiben und keine winzigen Hohlräume entstehen zu lassen.
Eine Schellackpolitur besteht aus Dutzenden von Einzelschichten. Mit schnellen und (bei den Folgeschichten) kreisenden Bewegungen wird eine kleine Menge Schellacklösung aufgerieben. Es empfiehlt sich, nach einem bestimmten Muster zu arbeiten, damit jede Stelle bei jedem Durchgang ungefährt gleich viel Politur erhält. Der Ballen wird so weit wie möglich auspoliert, durch den Druck werden die Schichten verdichtet und gleichzeitig geglättet. Sobald die Politur anfängt, bei starkem Druck “Klebestellen” zu entwickeln, muß eine Trockungspause eingelegt werden. Danach kann man mit feinem Sandpapier zwischenschleifen. Angeblich gibt es Profis, die ohne Zwischenschleifen auskommen, ich gehöre aber nicht dazu. Beim Schleifen werden die Schlieren und sonstigen Unregelmäßigkeiten wunderbar entfernt.
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Etwa ab der 5.- 6. Schicht verwende ich - wie gesagt- je einen Tropfen Leinöl pro Ballen, es erleichert das Polieren ungemein. Das Leinöl tritt beim Trocknen an die Oberfläche, von Zeit zu Zeit wische ich es einfach ab:
Der Aufbau der Deckpolitur ist zeitaufwendig, und man braucht ein bißchen Erfahrung, damit sie gut gelingt. Das Geheimnis liegt am ehesten darin, schnell und mit ausreichend Druck zu arbeiten, und zwar mit dem Schellack, das heißt, mit viel Gefühl, wann er anfängt, zu kleben. Wenn der Ballen erst einmal klebt, ist schon ein Schaden da, den man nur mit zeitraubendem Schleifen und Überpolieren ausbügeln kann. Der Ballen muß- solange er Kontakt mit der Politur hat - immer im Bewegung sein.
Hier noch ein Bild vom Polituraufbau:
Die Deckpolitur ist fertig, wenn alle Poren glatt gefüllt sind und eine spiegelnde gleichmäßige Schicht erreicht ist.
Danach lasse ich die Laute über Nacht “ablüften”. Am nächsten Tag wische ich das überschüssige Öl mit etwas Spiritus ab, schleife ich nochmals mit feinem Sandpapier und mache dann mit verdünntem Schellack die Schlußpolitur, zunächst mit sehr schnellen und kräftigen kleinen Kreisbewegungen, bei den letzen beiden Lagen dann mit schnellen Längsstrichen.
Die grau-braune Farbe des deutschen Nußbaumholzes hat sich nun zu einer warmen honigbraun leuchtenden Färbung gemausert
Natürlich werden auch Hals und Wirbelkasten bei jedem Arbeitsgang mitbearbeitet. Das Griffbrett bleibt allerdings unbehandelt, es muß ohnehin noch angepaßt (d.h. abgeschliffen) werden.
Ich trage auch auf die Decke zwei bis drei Schichten sehr stark verdünnter Schellacklösung auf, allerdings hellen Schellack. Nach der ersten Schicht muß sehr fein zwischengeschliffen werden, da die Holzfasern durch die Feuchtigkeit aufstehen. Diese Behandlung dient dem Schutz der Decke vor Verschmutzung und ist auch ein gewisser Schutz der Hautleimfugen in den eingesetzten Teilen. Wenn die beiden Schellackaufträge sehr dünn sind, beeinträchtigen sie den Klang nicht, man soll sie praktisch gar nicht sehen können. Die Decke darf nicht glänzend werden, nur ganz fein seidenmatt. Ich denke, daß eine mit der Zeit von Schmutz und Hautfett stumpfe Decke weder schön noch klanglich gut sein kann, daher habe ich mich zu dieser Schutzbehandlung entschieden, obwohl Puristen auf eine völlig unbehandelte Decke schwören.....
Die eingesetzten und aufgeleimten Teile (Schallochringe und die Spielplatte) behandle ich mit normalem Schellack.
Tja, und das war´s!
Der Oud ist - bis auf die Saiten - fertig!
Zwischen dem Verleimen der Brücke und der Besaitung müssen mindestens 2 Tage liegen, die Schellackpolitur sollte auch noch einen Tag nachtrocknen können.
Da bei der Politur immer etwas Schellack in die Wirbellöcher gerieben wird, bohre ich nochmals leicht nach und setzte danach die Wirbel wie nummeriet ein. Die Wirbel säge ich bündig ab (vor dem Einsetzten...) und feile die Kanten etwas rund, die Sägestellen betupfe ich mit rotem Schellack. Vor dem Einsetzen reibe ich dick trockene Seife auf die Stellen, an denen der Wirbel in der Wand des Wirbelkastens sitzt. Bei sauberer Bohrung ist niemals ein Rutschen des Wirbels zu befürchten, sondern eher das Gegenteil.
Als Saiten verwende ich (nach längerem Herumprobieren...) einen Satz Pyramid Super Oud, allerdings mit den beiden Nylonsaiten aus dem orangen arabischen Pyramid Set, die Nylonsaiten des Super Oud Sets sind kathostrophal dick und eignen sich nur für sehr kräftig gebaute arabische Lauten. Jeder Oud hat ein anderes Klangverhalten, man kann also kaum standardmäßig besaiten, sonden muß diese und jene Saite ausprobieren.
Vor der Besaitung muß noch das Griffbrett justiert werden, also absolut plangeschliffen, bzw. geschabt werden. Wenn es an irgendeiner Stelle höher ist, wird ein Schwirren der angespielten Saite in diesem Bereich die Folge sein. Wenn die Aktion zu niedrig ist, was sich ebenfalls durch scheppernde Saiten bemerkbar macht, kann man die Saitenknoten ein wenig höher schieben oder eben das Griffbrett etwas niedriger machen.
Hier die von mir gewählte Art der Saitenknoten:
Die Saiten halten in der ersten Zeit die Stimmung noch nicht. Da ich mittlerweile volles Vertrauen in die Haltbarkeit meiner Brücken gewonnen habe, stimme ich gleich hoch, die Saiten geben ohnehin noch ständig nach.
.....Und dann kommt der große Moment, in dem der neue Oud zum ersten mal zeigt, was in ihm steckt......und gleich danach die etwas frustrierende Phase des Einspielens, bestimmt von ständigem Nachstimmen und einer Mischung aus Euphorie (weil das Ding jetzt wirklich ein Musikinstrument geworden ist) und Verzweiflung, wenn eine Saite scheinbar grundlos schwirrt oder unharmonisch klingt, wenn die Wirbel zu fest sitzen oder bösartig surrend aufgehen.....
Bei zu fest sitzenden Wirbeln, die aber sauber gebohrt wurden, hilft am besten trockene Seife, ebenso auf den Saitenkerben am Sattel, um eine Schädigung der Saiten durch das dauernde Nachstimmen zu verhindern. Die Saitenenden an der Brücke sollen max. 2 cm lang sein, sie können auch Störgeräusche auslösen, ebenso die Saitenüberstände an den Wirbeln.
Auf dem Bild sieht man, daß die rote Schellackpolitur nun gut zum Farbton der Buchsbaumwirbel paßt. Unter den Saiten steckt eine Hornrisha.
Der Klang:
Der Oud hat einen sehr sehr starken Klang mit leichter Ansprache und trotzdem jeder Menge Sustain, bedingt durch die kräftigen Deckenbalken. Er ist durch die niedrige Aktion am Griffbrett sehr leicht spielbar, sogar mit der etwas steifen Hornrisha. Nur die obersten Metallsaiten (D) sind etwas problematisch, sie klingen etwas weniger harmonisch und rund als alle anderen Saiten, allerdings sind das generell die Problemsaiten. Ich probiere daher hier viele verschiedene Saiten, um einen harmonischen Klang zu finden. Ein Grund, vielleicht beim nächsten Oud eine etwas leichtere und eventuell auch anders plazierte Bebalkung zu wählen.
Ich stimme von unten nach oben auf: C G A D G C .
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