Zusammenbau 2

Der nächste Abschnitt ist das Verleimen der Decke mit dem Korpus.

Das Verleimen der Decke geht mit Hautleim auch kaum in einem Zug, der Hautleim würde zu schnell  gelieren. Ich verleime deshalb in kleinen Abschnitten, beginnend mit dem Halsblock. Ich trage hier satt dicken Hautleim auf, presse von Hand und bügle anschließend die Decke nochmals fest auf, so daß der überschüssige Leim austritt. Achtung: Karton zwischen Bügeleisen und Decke legen, sie verfärbt sich sonst durch die Hitze schnell.

 Zum fixieren verwende ich normales Paketklebeband, es ist ein wenig elastisch und läßt sich dadurch mit Zug über die Deckennaht ziehen. Stück für Stück biege ich die Decke ein wenig hoch, trage Leim auf, presse und fixiere mit dem Klebeband:

Das Klebeband lege ich erst über die Decke und dehne es dann kräftig über den Korpus.Wo die Fuge nicht ganz dicht ist, bügle ich nach. Man kann auch generell erst den Leim auftragen und gelieren lassen und dann durch Erhitzen die beiden Teile dicht aneinanderkleben. Auch über dem hinteren Block geht es nicht ohne zusätzliche Hitze. Die Decke muß dicht aufliegen, auch die Balkenenden sollen gut verleimt sein.Wo etwas nicht gleich klappt, kann mit dem Bügeleisen  problemlos korrigiert werden.

Nach einer Stunde nehme ich die Klebestreifen vorsichtig ab - vorsichtig deshalb, weil durch den Kleber leicht Späne aus der Decke ausreißen - damit der Leim gut trocknen kann.

 Nach dem Trocknen wird der Rand sauber abgehobelt und geschliffen.  

Als nächstes ist das sog. Bindung, die Randeinlage, an der Reihe. Es hat die Funktion, die Deckenkante zu schützen und wird deshalb aus hartem Material gemacht. Ich verwende hier wieder schwarze Fiberspäne, sie sind sehr hart und schauen wie Ebenholz aus. Ich lasse etwas einen halben bis einen Millimeter der Decke stehen, wie bei europäischen Lauten und den meisten türkischen Ouds. Arabische Oudbauer tregen die Decke oft ganz ab, so daß sie vor dem einsetzen der Randeinlangen nur noch durch die Balken und die Blöcke gehalten wird. In der Breite des Einlegespanes reiße ich mit einem Streichmaß mit Faserrichtung eine Kerbe an, die ich dann mit dem Skalpell von oben und von der Seite zu einer passenden Nut ausarbeite.

    Ich liebe diese Arbeit, sie sagt mir, der Oud wird bald fertig sein...

    Die grob ausgeschnittene Nut versäubere ich mit Schnitzmessern und Feilen, bis der Einlegespan exact hineinpaßt:

    ...und dann wird der Span eingeleimt und wieder mit Klebeband fixiert. Da 2 Fiberspäne nötig sind, setze ich sie über dem Spiegel mit einem Schrägschnitt zusammen.

     

    Nach dem Trocknen schabe und schleife ich die Leimreste weg und runde die Kante weich ab. 

     Nun kommen wir zum Anfertigen und Verleimen der Brücke - ein ganz wichtiger Punkt, der für die Klangqualität von entscheidender Bedeutung ist.

     Ich versuche, die Brücke individuell nach dem “Gesicht” des Oud zu entwerfen, besonders an die Form der Spielplatte angepaßt, entscheide mich deshalb für folgende Form - im Bild ein kleiner Vorgriff auf das Ergebnis:

    Ich verleime die Brücke immer erst am Schluß des Oudbaues. Dies hat den Vorteil, daß die Position genau bestimmt werden kann, da die Decke beim Verleimen immer ein bißchen verrutscht.

     Als Holz verwende ich ein möglichst hartes Stück Nußbaum. Die Faser liegt parallel zur Decke. Die Brücke sollte so zierlich wie möglich sein, um die Schwingung der Decke zu optimieren. Große Bedenken wegen der Festigkeit der Verleimung muß man auch bei einer kleinen Brücke nicht haben, Hautleim ist wirklich das Stärkste, was man für Leimverbindungen im Instrumentenbau hernehmen kann,  er hält auf Teufel-komm-raus, wenn er sauber verarbeitet wird.

    Mit Säge, Bandschleifer und Schnitzmessern fome ich die Brücke grob aus:

    Die feinen Rundungen arbeite ich noch mit Feile und Sandpapier nach:

    Schließlich färbe ich die Brücke an der Oberseite schwarz, um den harten farblichen Kontrast des schwarzen Griffbrettes zum restlichen Oud etwas zu harmonisieren. Ich verwende dazu Schellack, den ich mit schwarzem Künstlerpigment mische und trage das ganze mit dem Pinsel in mehrerern Schichten auf. Vor der Endschicht muß fein zwischengeschliffen werden.

    In die Unterseite ziehe ich mit der Messerspitze einige Rillen, dies macht die Leimverbindung stabiler und ermöglicht ein leichteres Austreten des überschüssigen Leimes. Außerdem schabe ich die Mitte etwas tiefer, so sitzt die Brücke besser an den Außenkanten.

    Nun sind die Saitenlöcher an der Reihe. Ein heikler Punkt, denn sie bestimmen die spätere Aktion der  Saiten am Griffbrett. Da ich eine Mulde für die Decke geformt habe, kann ich die Saitenlöcher relativ niedrig legen, auf ca. 7 mm Höhe von der Decke aus. Die Saitenabstände spielen ebenfalls eine große  Rolle für die leichte Spielbarkeit. Zwischen den identischen Saiten betragen sie ca. 3,6 mm. Bei weniger würden sich die Saiten beim Spielen berühren und unerwünschte Geräusche erzeugen. Die beiden äußersten Saiten lege ich nach dem gewünschten Randverlauf am Griffbrett fest, die übrigen Abstände werden dann einfach proportional errechnet.

    Die Löcher bohre ich mit einem 1,5- er Bohrer auf genau der gleichen Höhe:

    Als nächstes muß die genaue Position auf der Decke gefunden werden. Ich mache eine 60-cm Mensur, davon entfallen 40 cm auf die Entfernung Halsansatz - vordere Brückenkante.

      Teilweise wird die Brücke auch etwas asymmetrisach verleimt, um die unterschiedliche Saitendicke  auszugleichen, die Bassaiten sollen minimal kürzer sein. Ob das aber wirklich eine Rolle spielt, kann ich noch nicht beurteilen. Wichtiger ist es sicher, die Brücke so auszurichten, daß die Saiten mit dem richtigen Randabstand auf dem Griffbrett verlaufen... .

    Die endgültige Position zeichne ich mit einem Bleistift auf:

    .

[Start] [Werkzeug und Material] [Die Bauabschnitte] [Form] [Korpus] [Versäubern] [Hals und Wirbelkasten] [Hals und Wirbelkasten 2] [Wirbellöcher] [Decke] [Mulde] [Schalllöcher] [Deckenbalken] [Herz und Spielplatte] [Zusammenbau 1] [Zusammenbau 2] [Zusammenbau 3] [Politur] [Klang]