Zusammenbau 1

Vor dem Zusammenbau von Hals, Korpus und Decke ist es nötig, die Halsverbindung in einem exacten Winkel abzuschleifen. Der Halsansatz ist nicht nur Garant für die Stabilität des Instruments, er ist auch entscheidend wichtig für die Höhe der Saiten auf dem Griffbrett. Ich setze den Hals in einem leichten Rückwärtswinkel an, er wird sich durch den Saitenzug ohnehin noch etwas nach oben bewegen.

Ich verwende eine selbstgebaute 90 Grad Schleiflade, in die ich auf einer Innenseite Schleifpapier in der jeweils erforderlichen Körnung mit Doppelklebeband einklebe.

Auf dem Arbeitstisch ziehe ich eine Linie im 90 Grad-winkel zur Schmalseite, an dieser Linie und der Schmalseite richte ich dem Hals mittig aus, so daß der Halsansatz 1 mm über die Tischkante hinausragt.

 Um die leichte Rückwärtsneigung des Halses zu erreichen, klebe ich der schmalen Seite des Griffbrettes ein 2-3 mm hohes Fiberspanstückchen unter. Wiederum mit Doppelkleband fixiere ich den Hals nun so  auf der Mittellinie, daß ich über die Tischkante mit Hilfe der Schleiflade absolut plan schleifen kann.

 Die Schleiflade führe ich dabei mit Druck gegen die Tischunterseite und Tischkante. Zur Kontrolle male ich wieder mit Bundtstift Achter auf die Schleifstelle. Durch die Erhöhung mit dem Fiberspanstückchen  wird der Hals mit einer leichten Rückwärtsneigung am Halsblock sitzen.

Dasselbe geschieht nun am Korpus, genauer dem Halsblock. Ich fixiere den Korpus wieder mit Doppleklebeband (für eine genaue Auflage habe ich die beiden Blöcke beim Abhobeln der Mulde noch gerade gelassen!) und lasse den Block leicht über die Tischkante überragen.

Wenn beide Flächen genau passen, schabe ich noch eine minimale Vertiefung jeweils in der Mitte beider Leimflächen, da beim Abschleifen immer an den Rändern mehr abgetragen wird, und rauhe den Hals an  der Leimfläche etwas auf. 

Vor dem Verdübeln von Hals und Korpus passe ich noch die Decke exact an den Korpus an.

 Dies ist nötig, um die genaue Positionierung des Halses herauszufinden.

Zunächst müssen die Deckenbalken so präzise gekürzt werden, daß sie genau in den Korpus passen - am besten so genau, daß die Decke auch ohne Leim schon gut sitzt. Mit dem Skalpell schneide ich die Balken vorsichtig ab - Alarmstufe rot...die Decke ist schnell mit durchgeschnitten...

Schließlich schleife ich auch die beiden Blöcke noch etwas schräg ab, so daß die Mulde sanft über die ganze Korpuslänge ausläuft. Außerdem schleife ich die Auflagefläche für die Decke noch sauber nach.  Wenn die Decke gut sitzt, kann die Position der Dübellöcher für die Halsverbindung gefunden werden.Verdübeln des Halses:

 Ich verwende die traditionelle Methode mit einem starken langen Dübel, 10 mm dick und etwa 6 cm lang. Es gibt natür stabilere Verbindungen als eine Dübelverbindung, wer aber jemals einen Hals zurückgesetzt hat, der sich durch den jahrelangen Saitenzug nach oben verbogen hat, weiß einen schlichten Dübel sehr zu schätzen. Ein starker Dübel hält genauso, und verbiegen wird sich jeder hals im Laufe eines langen Oudlebens, es sei denn er hat einen Stahlkern...

Entscheidend ist das saubere Bohren der Dübellöcher. Man kann als kleines Hilfsmittel (das zumindest psychologisch wirkt...... ) eine Bohrführung verwenden. Hierzu mache ich mit Hilfe eines Bohrständers mit einem 10 mm Bohrer eine genau  senkrechte Bohrung in sauber rechtwinkeliges Buchenklötzchen. Dieses dient nun als Führung für den Bohrer auf Hals und Block. Das Bild zeigt den in die Hobelbank eingespannten Hals mit der  Anzeichnung des Dübelloches und daneben die Bohrführung. Das Klötzchen klebe ich mit Doppelklebeband auf den Hals, es hält den Bohrer dann in der senkrechten Position. Ein gutes Augenmaß tuts aber ehrlich gesagt auch, meistens muß man sowieso die Bohrlöcher noch nacharbeiten und zum Teil füllen.

     Den Korpus befestige ich mit Doppelklebeband an der Tischkante:

     Ich bohre den Block nicht ganz durch, nur in Dübellänge: Nun kann verleimt werden. Ich trage vorher auf beide Teile dünnen Hautleim auf, den ich nach einigen Minuten wieder abschabe. So wird das Holz ideal auf die Verbindung vorbereitet. Im zweiten Durchgang verleime ich den Dübel erst mit dem Hals und dann den Hals mit dem Block. Auf der Blockseite habe ich zuvor einige Rillen für den Austritt des Leimübeschusses gezogen, so sitzt die  Verbindung fester. Pressen kann man den Hals kaum, es reicht, wenn man ihn mit dem Hammer auf den Wirbelkastenklotz kurz festklopft und dann einige Minuten von Hand presst. Die Verbindungsfuge sollte möglichst fein sein.Hier wird später das sog. Halsband, ein Furnierstreifen, aufgesetzt:

      Und hier ein erster Blick auf den Oud, allerdings ohne Wirbel:

[Start] [Werkzeug und Material] [Die Bauabschnitte] [Form] [Korpus] [Versäubern] [Hals und Wirbelkasten] [Hals und Wirbelkasten 2] [Wirbellöcher] [Decke] [Mulde] [Schalllöcher] [Deckenbalken] [Herz und Spielplatte] [Zusammenbau 1] [Zusammenbau 2] [Zusammenbau 3] [Politur] [Klang]