Hautleim

Da ich die etwas puristische Ansicht vertrete, daß Hautleim für den Instrumentenbau der beste Leim ist, möchte ich hier die Anwendung so ausführlich beschreiben, daß sie leicht  nachzuvollziehen ist.

Allerdings kann man auch sehr gut mit Spezialklebern wie z.B Tidebond arbeiten. Sie haben den Vorteil, daß sie gegenüber Luftfeuchtigkeitsschwankungen unenpfindlich sind. Konkret heißt das, sie quellen nicht auf und verspröden nicht, wenn es Risse gibt, sind diese dafür direkt im Holz, was auch nicht angenehm ist.

Ich verwende Hautleim der Fa. Dick. Er ist relativ feinkörnig, quillt deshalb innerhalb von 30 Minuten gut auf und läßt sich so in kürzerster Zeit neu anrühren.  Hautleim verdirbt bei Zimmertemperatur innerhalb weniger Tage, was am Geruch erkennbar ist. Der Leim riecht immer ein bißchen “tierisch”, verdorbener Leim stinkt und verflüssigt sich. Je frischer der Leim, umso höher die Bindekraft.

Es gibt durchaus Unterschiede in der Leimqualität je nach Hersteller, ich habe beobachtet, daß der Leim der Fa. Dick im Vergleich zu billigerem Leim aus einem Künstlerfachhandel viel länger hält. Also besser Leim aus dem Instrumentenbau-Fachhandel kaufen.

Knochenleim ist für Lauten weniger geeignet, er wird eher für Geigen verwendet.

Ansetzen des Leims:

 Das Granulat wird in einem schmalen hohen Gefäß (altes Senfglas o.ä.) mit der doppelten Menge Wasser angerührt und zum Quellen stehen gelassen. Wenn kein dunklerer Kern mehr in den Körnchen erkennbar ist, kann der Leim erhitzt werden. Es geht auch schon vorher, allerdings muß dann während des Erhitzens gerührt werden. Besser quellen lassen....Es ist günstiger, den Leim nur mit soviel Wasser  anzusetzen, daß er leicht aufquillt, man kann später ohne Probleme verdünnen, zu dünnen Leim muß man aber durch Erhitzen erst wieder mühsam eindicken. Das Granulat würde mindestens die 5-fache  Volumenmenge Wasser aufnehmen, würde dann aber sehr dünnflüssig.

Erhitzen:

Ich verwende zum Erwärmen einen alten Babyfläschen-Wärmer, es geht aber auch im traditinellen  Wasserbad oder in speziellen Leimtöpfen (aber warum teuer, wenn es billig auch geht...) Der Leim darf nicht kochen, er schmilzt ab 60 Grad. Zu starkes Erhitzen mindert die Bindekraft. Wie stark Hautleim  klebt, kann leicht mit einem Tropfen Leim zwischen zwei Fingern getestet werde. Der Leim geliert mit dem Abkühlen, mit dem Verdunsten des Wasseranteils wird er mit der Zeit fast glashart.

Pinsel:

 Als Leimpinsel kann jeder nicht zu dicke Borsten- oder auch Kunsthaarpinsel verwendet werden, je nach Dicke der Leimnaht. Die Haare sollten aber nicht zu kurz sein, damit der Pinsel genug Leim fassen kann. Es gibt spezielle Leimpinsel aus Lindenbast, die individuell zugeschnitten werden können und die natürliche chemische Bestandteile enthalten, die Fäulnis und Schimmelbildung hindern. Allerdings brechen die Bastfasern leicht ab und sind dadurch meiner Meinung nach für den Instrumentenbau nicht ideal. Da der Leim nicht teuer ist und schnell neu  angesetzt werden kann, ist es besser, immer nur den Vorrat für 1-2 Tage anzurühren. Größere Mengen können im Kühlschrank aufbewahrt werden. Aber auch häufiges Erhitzen tut dem Leim nicht gut.

Verarbeitung:

Es gibt verschiedene Verarbeitungsweisen.

a) Die normale unterscheidet sich nicht von jeder anderen Leimanwendung: Das zu befestigene Teil,  bzw. das kleinere Teil (kühlt den Leim langsamer ab!) mit dem Leim einpinseln und sofort ansetzen. Der Leim darf noch nicht gelieren, da er sonst nicht in das andere Werkstück eindringen kann. Die beste Verbindung wird erreicht, wenn beide Teile mit kräftigen kurzen Bewegungen aneinandergerieben werden, bis die Position stimmt. Das ist vor allem beim Aufleimen der Brücke oder beim  Zusammenleimen der Deckenbrettchen wichtig, wenn eine 100 % stabile exakte Verbindung nötig ist. Beim Verleimen der Korpusspäne funktioniert diese Technik nicht und ist auch nicht nötig, hier reicht  sauberer Leimauftrag und 2 Stunden Preßdruck.

b) Die Verbindung kann dadurch intensiviert werden, daß zunächst stark verdünnter Hautleim auf beide Teile aufgetragen und dann wieder weggewischt wird. Später wird dann mit normal konzentriertem Leim die Verbindung hergestellt. Der bereits in das Holz aufgesaugte Leim löst sich dadurch wieder an. Der Vorteil liegt darin, daß der verdünnte Leim tiefer in die beiden Teile eindringt und eine stärkere Verbindung erreicht wird. Kann z.B. beim Verleimen des Halses angewendet werden.

 c) Zum Aufleimen von Furnieren, wie z.B. bei der Spielplatte, aber auch beim Aufleimen der Decke muß mit zusätzlicher Hitze gearbeitet werden. Durch den längeren Verleimungsprozeß würde der Leim  zu schnell abkühlen, wenn er in einem Stück verarbeitet würde. Das Werkstück wird deshalb mit einem Bügeleisen oder Furniereisen regelrecht aufgebügelt. Hierzu mehr bei den betreffenden Arbeitsschritten. Orientalische Oudbauer verwenden Hitze auch, um den Leim gleich nach dem Auftragen trockenzubrennen. Mit einem erhitzen Eisen wird z.B. der Leim zwischen den Korpusspänen blitzgetrocknet, z.T. wird ein Stück Papier mit aufgebügelt, um das Holz vor Verfärbung zu schützen. Aus theoretischer (westlicher...) Sicht kann das nicht gut für die Haltbarkeit sein, denn Hitze über 70 Grad verringert die Klebekraft tierischer Leime.

 Leimkonsistenz:

Sie kann individuell und je nach Art der Verbindung gehalten werden, ist aber immer irgendwo zwischen dünnflüssigem und zähfließendem Honig, auch je nach Verarbeitungstemperatur. Nur die eigene  Erfahrung kann hier Richtschnur sein.

Pressen:

Hautleim muß eigentlich gar nicht gepreßt werden, weil der Leim beim Trocknen die Holzteile mit  großer Kraft  zusammenzieht. ...allerdings gilt das nur, wenn die Paßstellen ganz sauber gearbeitet wurden....Das wird z.B. beim Verleimen des Halses relevant, der nicht wirklich gepreßt werden kann. Wo möglich, sollte aber mit Zwingen, Gummischnüren oder Klebeband möglichst  höher Preßdruck für mindestens 2 Stunden erzeugt werden.

“Nahtkorrekturen”:

Besonders beim Korpus kommt es vielleicht mal vor, daß eine Leimnaht nicht 100 % dicht ist, was man  mit einer Taschenlampe von innen erkennen kann. Hautleim schrumpft beim Trocknen enorm, kann also einen Spalt nur schlecht überbrücken. Man kann aber leicht nachträglich noch einen Leimtropfen auftragen, eventuell mit feinem Sägemehl gemischt. Mehr dazu im Teil “Bau des Korpus.”

Leimüberschuß:

Ich wische den überschüssigen Leim nicht sofort ab, sondern lasse ihn gelieren und schabe ihn dann mit dem Messerrücken so ab, daß an der Fuge noch ein Leimwulst bleibt. Wenn die Fuge nicht absolut papierfein ist, zieht sich sonst der Leim beim Trocknen nach innen und ein Spalt bleibt. Erst nach dem völligen Trocknen schleife oder schabe ich dann den Überstand ab. Gelierter Leim läßt sich rückstandslos abschaben, harter Leim herausschleifen.

Haltbarkeit:

Eine Hautleimverbindung ist extrem fest, härter als jedes Holz. Dies merkt man spätestens beim Abschleifen. Wenn später etwas reißt, ist es das Holz und nicht die Leimverbindung - richtige Verarbeitung vorausgesetzt. Bei sehr alten Instrumenten kann eine Naht allerdings dadurch aufgehen,  daß der Leim zu stark austrocknet und dadurch spröde wird. Jede Verbindung ist Gottseidank reversibel. Solange der Leim nicht glashart ist, reicht Hitze zum Lösen aus, später muß dann noch mit  Wasser oder Dampf gearbeitet werden. Deine Erben werden das zu schätzen wissen, wenn sie Dein Instrument restaurieren ...

 

Links zum Thema:

Allgemeine Beschreibung: http://www.kremer-pigmente.de/63010.htm

alles, was man sonst über Hautleim wissen muß, steht (wieder mal) in David van Edwards Seite

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