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Werkstatt und Werkzeug: Die Werkstatt: Prinzipiell kann man einen Oud auch auf dem Küchentisch bauen. Allerdings wird sich die Küche dann zwangsläufig in eine Werkstatt verwandeln und es bleibt die Frage, wo man künftig kocht und ißt... Also ist dieser Arbeitsplatz nur dann sinnvoll, wenn es gar nicht anders geht und wenn weder Staub noch Sägespäne noch Leimflecken stören. Es ist sehr umständlich, wenn man das halbfertige Instrument und sämtliches Werkzeug nach jedem Arbeitsgang wieder wegräumen muß, also kann man diese Variante getrost vergessen. Ideal ist ein abgeschlossener Arbeitsraum mit Fenster und genug Platz für zwei größere Arbeitstische. Ich baue meine veschiedenen Instrumente in einer eigenen Werkstatt in meinem Haus. Arbeitsflächen: Ideal sind eine stabile Hobelbank und ein zusätzlicher großer Arbeitstisch in Sitzhöhe. Er kann leicht aus einer Tischlerplatte und zwei Tischböcken selbst gebaut werden. Ein zusätzlicher zusammenklappbarer Werk- und Spanntisch ist nicht unbedingt nötig, leistet aber gute Dienste beim Fugen und Bearbeiten der Decke. Ein nicht zu zierlicher Schraubstock, ich würde sage ab 8 cm Backenbreite, der fest am Arbeitstisch verschraubt wird, dient als Halterung für die Oudform. Bitte an der Stelle festschrauben, an der die Wege zu Hobelbank oder sonstigen Werktischen ideal sind und genug Bewegungsfreiheit ist, hier findet ein Großteil der Arbeit statt.
Elektische Werkzeuge: Auch hier geht es prinzipiell ganz ohne. Die alten Oudbauer schufen nur mit Handwerkzeugen wunderbare Instrumente. Aber wenn man die Geräte schon mal hat..... Folgende Geräte würde ich unbedingt empfehlen, es müssen auch durchaus nicht die teuersten sein, meine Elektrowerkzeuge stammen teilweise von Norma oder Aldi, und sie sind nicht schlecht: Eine Stichsäge, möglichst mit Sägetisch. (hier würde ich allerdings ein gutes Fabrikat wählen)
Ein Bandschleifer , den man auch in Rückenlage gut auf der Werkbank befestigen kann. Er hilft bei der Formung von Hals und Wirbelkasten enorm und kann auch zum Herunterschleifen der Decke verwendet werden.
Sehr empfehlenswert sind auch folgende Geräte: Falls die Decke roh noch sehr dick ist: Ein Elektrohobel. Muß aber nicht sein. Ist ein bißchen riskant, man verschätzt sich leicht, wenn es um wenige Millimeter geht. Akuschrauber und Bohrmaschine. Wenn das Geld noch reicht: ein Dremel oder vergleichbares Miniaturwerkzeug, ideal mit flexibler Welle. Eigentlich überflüssig, aber natürlich auch nützlich: Dekupiersäge für die Laubsägearbeiten Bandsäge
Manuelle Werkzeuge: Wichtiger als die Elektrowerkzeuge sind gute manuelle Werkzeuge. Hier ist es sehr sinnvoll, ein bißchen mehr Geld auszugeben. Oudbauen ist Feinarbeit, schlechtes Werkzeug kann einem die Freude an der Arbeit schnell verderben. Ich verwende, wo immer ich es mir leisen kann, Werkzeug der Fa. Dick in Metten, die sind zwar teuer, aber hervorragend in der Qualität (Ich bekommen k e i n e Werbeprovision.....!) Sägen: Wenn man nicht eine sehr gute Bandsäge hat, sind japanische Sägen eine ideale Lösung. Sie arbeiten nur auf Zug und sind deshalb sehr dünnwandig und liefern exakte Schnitte mit sehr wenig Kraftaufwand. Seit ich beim Bau des Wirbelkastens aus Ahornholz meine Kreissäge fast ruinierte, verwende ich für dicke Schnitte eine Ryoba Komane Wechselblattsäge und für feinere Arbeiten eine kleine Dübelsäge und eine kleine Stichsäge. Unentbehrlich ist eine Laubsäge mit sehr feinem und feinem Sägeblatt, ideal eine Juwelierssäge.
Schneiden: Sehr wichtig sind gute Skalpellmesser, sie werden für Einlegearbeiten verwendet. Normale Schnitzmesser sind oft zu grob. Ein gutes scharfes Küchenmesser mit Glattschliff ist auch sehr hilfreich. Einige Stecheisen sollten auch vorhanden sein.
Hobeln und Abziehen: Unbedingt nötig ist ein guter Hobel, der mit dem Hobeleisen nach oben in die Hobelbank gespannt wird. Mit ihm werden die Korpusspäne bearbeitet.
Ein kleiner qualitativ möglichst guter Einhandhobel kann zum Fugen der Decke verwendet werden, er ersetzt dann die (sündhaft teure) Rauhbank. Für Rundungen ist ein Ziehhobel ideal. Eine gerade und eine Schwanenhalsziehklinge.
Messen: Metermaß, großer Winkel, kleiner Winkel, Schublehre. Ein Dickenmeßgerät für die Decke ist nützlich, ich habe allerdings meine bisherigen beiden Lauten ohne gebaut, es geht auch mit gutem Fingerspitzengefühl. Notfalls kann man sich ein Dickenmeßgerät auch selbst bauen. (hier ein Beispiel) Sonstiges: Diverse Raspeln und Feilen Ein sehr praktisches Werkzeug ist eine Mischung aus Hobel und Raspel mit auswechselbarem Hobelblatt. Es ist das Gerät rechts im Bild mit dem gelben Handgriff.
Schleifpapiere aller Korngrößen Schleifklötze, ev. Schleifgewebe Schraubenzieher Verschiedene Schraubzwingen und Klemmen Sehr nützlich ist ein sehr schmaler langer Spachtel, wie er für Malereien verwendet wird, er hilft beim Ablösen des Korpus von der Form. Zum Bohren der Wirbellöcher braucht man einen speziellen konischen Bohrer, eigentlich eine Reibahle. Ich verwende eine Violin-Reibahle mit dem Konus 1 uzu 30, wie er bei Violinen- und Violawirbeln verwendet wird. Das Gerät ist nicht eben billig, aber es ist sehr sinnvoll. Mit einer Stufenbohrung und Schleifpapier geht´s auch, wird aber nie völlig exakt. Gut sitzend Wirbel sind aber unerläßlich.
Für das Biegen der Späne braucht man natürlich irgendeine Form von Biegeeisen. Es gibt ab ca. 150 Euro elektrische Biegeeisen zu kaufen, aber es geht auch mit ganz primitiven Eigenbau-Biegeeisen, wie es hier abgebildet ist. Näheres später.
Material: Ein unscheinbares, aber sehr wertvolles Utensil ist doppelseitiges Klebeband . Es wird immer dann verwendet, wenn ein Werkstück für die Baerbeitung auf der Werkbank fixiert werden muß, ohne daß Zwingen oder ähnliches zum Einsatz kommen. Malerkrepp Paketklebeband. Diverse Schrauben und Nägel. Hautleim. Viele Instrumentenbauer verwenden jetzt auch synthetische Leime. Ich bin prinzipiellHautleim-Fan. Glutinleime, das sind tierische Haut- oder Knochenleime, haben eine extrem starke Klebekraft und den Vorteil, daß jede Verbindung reversivel ist. Außerdem sollen sie für die Tonübertragung wesentlich besser sein als jeder synthetische Leim. Sie werden seit Jahrhunderten im Instrumentenbau verwendet. Die Verarbeitung ist nicht so schwer, wie man oft hört, nach einiger Zeit ist es ein Kinderspiel. Ersatzweise kann man Propellerleim verarbeiten, er ist extrem klebestark und dauerhaft. Zum Erwärmen des Hautleim ist ein Fläschchenwärmer für Babynahrung ideal, gibt es für wenig Geld auf jedem Flohmarkt, wenn man selbst keine kleinen Kinder hat. Verschiedene Leimpinsel. Schellack. Auch hier bin ich etwas konservativ. Schellack wird in Spiritus gelöst und in einem speziellen Politurverfahren als Oberflächenschutz aufgetragen. Und natürlich: Das Holz. Hierauf gehe ich bei den jeweiligen Einzelteilen des Oud näher ein, allgemeines zum Thema Tonholz ebenso später. |
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